Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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Vielleicht hatt' ich nicht so lange von dem edeln Bonnivardsprechen sollen. Aber ist der standhafte Heldensinn eines Dulders fürWahrheit und Recht, gegenüber brutaler Gewalt, nicht mehr werth,als das Schloß Chillon selbst? Eine lange Reihe alterthümlicherBurgen und Schlösser des Waatlandes, noch gegenwärtig bewohnt,ließe sich aufzählen. Aber was läßt sich von ihnen Wichtigers melden,als ihre innere Ausschmückung, oder ihre reizende Umgebung und Aus-sicht? Tavernier, der berühmte Reisende des siebenzehntenJahrhunderts, welcher die Herrlichkeit des halben Orients gesehenhatte, rief, als er das Schloß von Aubonne, das weitschauende,erkauft hatte, mit Entzücken: ,/Vierzigtausend Meilen macht' ichzu Laud uud zu Wasser; aber außer den Gegenden von Schirasund Stambul, fand ich Schöneres nicht in der Welt denn hier!"Viel hängt vom Geschmack ab. Auch der Pallast von Coppet,zwischen Nion und Genf, ruht anmuthsvoll in seinen zierlichenGartenanlagen, am See: und doch gab die Frau von S t a vl, derBac-Gasse in Paris den Vorzug. Als sie in ihrem herrlichenEigenthum hier, von Napoleon aus Paris verbannt, wohnte, riefsie, wenn man ihr mit Begeisterung von diesem zauberischen Auf-enthalt sprach:Xk! rentier-mm la rue cku !" DieDame wollte lieber Bewunderung erndten, als Bewunderungzollen. Witzspiele der Salons, Kunstglanz des Hofes sagten ihremGemüth unendlich mehr zu, als die ewige Majestät der Natur imtäglichen Prachtwechsel. Schon der berühmte Bayle lebte einstzweiJahr(!672 4674) in diesem Schlosse. Aber auch ihn plagtebald Langeweile; und vertrieb ihn. Dem Philosophen war das groß-artige Schauspiel der Erde und des Himmels umher nur einebunte Tapete. Er sehnte sich nach alten Büchern und bändereichenBibliotheken, wie Frau von Staöl nach Beifall der Schöngeister.Doch das Schloß Coppet hat eine andre Merkwürdigkeit. Wennman sich durch die breiten, laugen Schattengänge der Gärten inden dunkeln Hain des Hintergrundes verliert, steht man uner-wartet vor einem Grabmahl. Hier ruht die Asche Neckers. Zu-rückgezogen aus den Stürmen der französischen Staatsumwälzung,wohnte der ehmahlige Finanzminister des unglücklichen Ludwigs XVIin der prachtvollen Einsamkeit, seit 4796 bis zu seinem Todes-jahr 1864. Er schien neu aufzuleben und sich unter der Wunder-kraft der landschaftlichen Reize zu verjüngen. Der Mann derRechnungen dichtete hier, noch in seinem siebenzigsten Jahre, einenRoman.