Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
263
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Phantasie im voraus beizulegen. Es ist dann die widerlichste Em-pfindung von der Welt, den nngemeinen Mann, im Gegensatz vonsich selbst, ganz gemein und statt des Hochmenschlichen das Niedrig-menschliche zu erblicken. Und doch ließ ich mich, guter Gesellschaftzu lieb, verführen, Voltaires Zimmer zu besuchen.

Ich trat in ein geräumiges, aber verwittertes Gemach mitverblichenen Möbeln. Alles im altfranzösischen Styl ans den Mode-tagen Ludwigs XV. Armsessel mit krummgeschweiften Rücken-lehnen und eben so krummen Dachsbeinen; eine bauchigte, glanz-lose Commode; ein Bett, mit zerlapptem Teppich bedeckt; dar-über, in verschossenen Farben, ein Betthimmel, an Form denehmaligen Kurfürftenmützen ähnlich, von welchem noch das obereDrittel der ehmaligen Umhänge zerrissen niederflattert. Die zweiübrigen Drittel sind entweder von Mäusen oder Ratten verzehrt,oder, was mir wahrscheinlicher ist, stückweis von Bewundrern desSängers der Henriade, zum Andenken, in alle Weltgegenden ver-schleppt. Unter dem Betthimmel oder über dem Bett das BildLekains an der Wand; über dem Nachttisch daneben Voltaire'sBild aus jüngern Jahren; das Bild Friedrichs II. von Preußenauf der andern Seite. An einer andern Wand das Kopfbild vonCatharina II., gegenüber die Marquise du Chatelet, alsKnieftück. Rechts, ohnweit der Marquise, ein breiter, alterthüm-licher Kamin ; ihm gegenüber links in einer Mauerblende, stattdes Ofens, eine steinerne, mit geschmacklosem Gesimswerk umgürtetePyramide, die eine Art Mausoleum vorstellen soll. Wenigstenswird dies von der Ueberschrift in großen Buchstaben mit denWorten verkündet: ^AIos mauos sout uousolos, puis^uo inoueoeur est au luiliou clo vous.^ Das Nämliche erzählt auch inder Mitte der Pyramide, unter einer Urne, eine weit über dieSeiten des winzigen Denkmals hinausragende Inschrift: ^8ouosprit est partout, et sou eoeur est iei.^ Ich ging mit Reue,hineingegangen zu seyn, zum Hause hinaus, und entschädigtemich draußen, auf der Terrasse des Gartens, durch das Schau-spiel, welches hier die weite, glänzende Umgegend darstellt dieblauen Gebirgswegen des Jura links, und in duftiger Ferne dieStadt Genf schwebend; dahinter der schimmernde See nur zumTheil sichtbar; rechts aus Eis und Schnee hoch zum Himwel auf-gethürmt der Mont Blanc, umringt von den Schaaren derGletscher Savoyens, Alles, wie durchsichtig, Alles wie einzartes Gebilde von farbigen Lüften gemacht.

Der Anblick der ewigwunderbaren, aber sich unbewußten