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2 (1838)
Entstehung
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verfertigt hat. Der Weltweise von Genf, mit seiner melancholisch-gutmüthigen Miene, schaut sinnig vor sich hin; warum nicht mitwehmüthigem Lächeln ans eine Vaterstadt, die ihn einst im Lebenunbarmherzig von sich ausstieß? Doch nein; nicht seine Vaterstadtverstieß ihn. Nicht sie schleuderte das Decret des Fluchs vom 18. Juni1762 gegen ihn; nicht sie ließ durch Henkershand seinen ebenerschienenenContract social" undEmil" öffentlich verbrennen;sondern der Zorn einer beleidigten Aristokratie war's und derfromme Ingrimm einer protestantischen Geistlichkeit, deren Fanatis-mus , wo sie ihm die Zügel schießen lassen darf, dem Fanatismusder ^atolischen Priesterschaft nicht nachsteht. Bald zwar erklärtesich der Großtheil seiner Mittbürger laut für den Verfolgten. Eraber kehrte nie wieder nach Genf zurück. Im Jahr 1816 wardam 28. Juni von den Genfern das Jahresfest seiner Geburtfeierlich begangen. Magdalena Meßmer, 85 Jahre alt, dieihn im Val Travers einst, als seine Magd, in den Tagen derNoth und Dürftigkeit treu besorgt hatte und ihm immer ergebengeblieben war, sagte: teinps ne «mit p»8 ckifferents, maisles Iiommes.

Rousseau's Einfluß ans sein Zeitalter und das nachfolgendeJahrhundert war fast nicht minder groß, in Bezug auf die Ver-hältnisse der bürgerlichen Gesellschaft, als derjenige der theologischenReformatoren auf das kirchliche Leben im sechszehnten Jahrhundertgewesen war. Er hatte den Muth des Märtyrers gehabt, dieverirrte Menschheit seiner Tage zu den einfachen und ewigen Grund-sätzen der Natur und Vernunft zurückzuweisen, während die Völker,zwischen Lastern der Ueppigkeit und Armuth schwankend, den Will-kühren des Despotismus und der Aristokratie gedankenlos angehörten,gedankenlos vor den Gebilden stolzen Priesterwahns knieeten, undselbst Wissenschaften und Künste fast nur im Frohndienst eines ent-nervenden Luxus ihr Leben fristeten.

Aber wahrlich, aller Zauber von Rousseaus Beredsamkeit hättedas Wunder nie, oder nicht sobald verrichtet; seine Schriftenwären, wie andre, gelesen, gelobt und vergessen worden, hätteihm nicht die hochfahrende Unbesonnenheit damaliger Regierungen vonGenf, Frankreich und Bern, hätte ihm nicht der Fanatismus oder dieerschrockne Dummglänbigkeit der katholischen wie der protestantischenPriesterschaft, und das Gebell literarischer Nachkläffer, kräftig zu sei-nem guten Werke Beistand geleistet. Alle diese erhoben sich lärmendgegen den Weltweisen von Genf. Sie verfolgten ihn. Dasmachte Aufsehen; das sein Wort wichtig. Jederman las Rousseau.