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Gallen'en, diesen breiten, hochgewölbten Berghallen, ifts unstreitigder Eingang zur großen über zweihundert Schritt langen Galleriebei Gondo, welcher den vermessenen Schöpfergeift des Bau-meisters am meisten ins Auge fallen läßt. Eine schroffe, nakte,zerbröckelnde Felsenmasse verrammelte da jählings die Fortsetzungjedes Weges. Sie steigt senkrecht vor dem Wandrer himmelwärts;ihr Fuß sinkt steil in einen entsetzlichen Abgrund; und vor ihrstürtzt brausend durch die zerfressne Gebirgsschlucht, zwischen Klip-pen zerschellend, ein Waldstrom, der Alpirnbach, nieder. Inseinem heftigen Fall lösen sich, unter ewigen Donnern, seineWellen zum Theil in Wassergestäube, Schaumstrahlen und glän-zende Flocken auf. Ueberhangende, finstere Steinblöcke, mit ihrenhalberftorbnen Tannen scheinen, jeden Augenblik, dieser unbän-digen Fluth nachstürzen zu wollen. Und nun, über der durchwühlten,kochenden Tiefe, schwebt itzt eine zierliche Brücke zur wüstenFelswand, wie durch Zauber hingehaucht; Menschenhand hat dortdie 500 Schuh dicke Gebirgsmasse durchbohrt und deren Inneres ineine bequeme Kunststraße verwandelt.
Vorzeiten hieß für den Reisenden, wenn er vom Genferseeins Wallis trat, der Salanfefall, oder die Pissevache, und amandern Ende des Wallis, der Rhonegletscher die größte Sehens-würdigkeit. Heutiges Tages kennt man Wunder der Naturmachtin diesem Lande, welche größeres Erstaunen erregen. JenerSalanfefall, obgleich seine in der Luft schwebenden und zerfallen-den Wogen 12(1 Schuh senkrecht niederfahren, wird von vielenWasserfällen der wallisischen Seitenthäler an Schönheit und Höheübertroffen. Pissevache dankt ihren größern Ruhm nur, daß siesich dem Blick des Wanderes, nahe an der Landstrasse vonSt. Mau-rice gen Martinach, aufdrängt.
Unwandelbarer bleibt, und seltner übertroffen, die Herrlich-keit des Rhonegletschers, neben denjenigen Gletschern, welchenman sich wie denen vom Grindelwald - und Chamounythal, be-quem und gefahrlos nähern darf. Er gibt mit seinen Schrün-den und Eisthürmen ein prachtvolles Bild, wie er vom hohenGalenstok, zerrissen und sich überwälzend, gegen das Rhone-thal niedergeht; ein breiter, blendender Strom, der unten sichplötzlich ausdehnt und erstarrt. Die im Thal vor ihm aufgeworfnen,oder vielmehr zusammengeschobnen Schuttwälle, welche seinenUmfang umringen, sind Fustapfen, die er bei seinem Rückzughinterließ, wenn er sich vor den schmelzenden Sonnen-Strahlenaus der Tiefe entfernen mußte. Mächtige Steinblöcke liegen weit