Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
250
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ward zerstob, wie Spreu, die Hälfte des Dorfes Ran da,das am Fuß des Gletscherberges einsam ruht, und ein DutzendMenschen nebst vielem Heerdenvieh kam zerschmettert um. DasSchlimmste von Allem ist, daß der fürchterliche Nachbar, öftersschon durch ähnliches Unheil berüchtigt, es immerdar zu wieder-holen droht.

Das arme Dorf Ran da, wie gefahrvoll und hoch es auchliegt, ist noch nicht das letzte in dem Hochthal. Viel weiter hin-auf, wo der Sylvio, (oder das Matterhorn) aus unüberseh-baren Gefilden ewigen Eises seine schwarzen Granitkulmen indie Lüfte streckt, ruht gefahrlos ihm gegenüber, das DörfleinZermatt inmitten grasreicher Wiesengründe, umringt von Alpenund Wasserfällen; nnd mehr denn tausend Fuß höher, abermalsein Weiler am kleinen Görnersee, 6270 Fuß über dem Meere.Die Leute dieses Weilers gehn, auch während ihres neun monatlichenWinters, zur Kirche von Zermatt, doch vorsichtig mit breitenSchneeschuhen von Holz und langen Stäben ausgerüstet. Wer dieeinfachen Sitten der Hirtenwelt in ihrer Reinheit erblicken will,muß in die Abgeschiedenheit dieser Seitenthäler dringen. Dahingelangt selten oder spät Kunde von den Schicksalen der übrigenWelt. Ueppigkeit und Armuth sind da gleich unbekannt. Jeder hat,soviel er bedarf, und er bedarf zu seiner Zufriedenheit wenig.Niemand verriegelt, Tags oder Nachts, da das Haus; die Thürensind ohne Schlösser. Alles ist sicher vor Allen. Rechnungen undVerträge werden noch durch ein Paar in Holz geschnittne Kerbebezeichnet, und diese Kerbe haben so viel Glaubwürdigkeit, alsirgend eine gerichtliche Urkunde. Streitigkeiten werden von erfahrnenGreisen geschlichtet. Dem Alter wird Ehrfurcht bezeugt. Gastfrei-heit ist hier noch, wie in den Wüsten Arabiens, der Haupttugen-den eine. Erscheint ein Fremdling, umringt ihn mit herzlichemWillkommen das Dorf. Mit deutscher Gutmüthigkeit bietet ihmjeder das Beste der Hütte an, und was die Heerde gewährt,und jeder schämt sich angebotne Bezahlung zu nehmen. So findetman hier die letzten Spuren des goldnen Zeitalters der Dichter,doch nicht inmitten des ewigen Lenzes, sondern des ewigen Win-ters. Es ragen da von allen Gebirgen des Wallis die höchstenund wildesten auf, deren Krone und Knoten, an der GränzeItaliens, der Monte Rosa ist. Er, 14,740 Fuß erhaben,will selbst an den Küsten Genuas auf den Appenninen, gesehnseyn. Von den neun Felshörnern desselben ist das höchste nochvon keinem Sterblichen erstiegen, während der Gipfel des Mont-