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Das ist das Wallis, mit einer Volkszahl von 70 — 80,000Seelen. Die Ausdehnnng seines Flächenraumes ist unbekannt: Werweiß die Gränzen der Länder auf Gletschern und Firnen, die beizwölf Stunden Wegs weit zusammenhängen, oder in unbewohn-baren Felsenwüsten zu finden? Es genügt, sie zu kennen, wo Stras-senzüge über den Rücken der Hochgebirge laufen; oder wo Alpen-dörfer, die ein halbes Jahr im Schnee vergraben liegen, ihremVieh zwischen Kulmen und Zinken der Berggräthe Sommerweidesuchen müssen.
Wiewohl sich längs dem linken Rhoneufer die Walliser Bergebis zum Genfersee erstrecken, tritt der Reisende auf der Landstraßedoch erst beim Städtchen St. Maurice in das wunderbare Landein. Hier drängen die einander gegenüber aufragenden Klippenund Felswände des Dent de Morcle und de Midi so eng zu-sammen, daß der Rhone kaum Raum bleibt sich hindurch zu pressen,und man vor Zeiten mit einem Schlüssel des Brückenthors den ganzenKanton Wallis auf dieser Seite zuschließen konnte. Denn die Brücke,aus gehauenen Steinen, verknüpft beide Berge. Der Strom, derEngpaß, die Brücke, ein alterthümliches Schloß daneben, zumTheil bewohnbar, zum Theil nur zerfallendes Gethürm und Gemäuer,und an himmelhoher Felswand droben eine in dieselbe eingeschnittn eEinsiedelei, bieten ein romantisches Bild dar. Das alte Rom hielthier schon Militärpoften; Kaiser und Könige des Mittelalters be-schenkten die Abtei von St. Manrice mit Kleinodien und Reli-quien, als einen der gesammten Christenwelt hochheiligen Ort.Denn ohnweit der Stadt selbst soll die thebäische Legion denMärtyrertod erlitten haben; auf dem mit ihrem heiligen Blutgeweihten Platz Verolla t sieht man heut noch gläubigen Wall-fahrtern eine Kapelle geöffnet.
St. Manrice und der gesammte untere Theil des Wallisbis zum Fluß Morse, war ehmals unterthäniges Gebiet der siebenfreien Bezirke oder "Centen" des obern Wallis; und jederdieser Centen war , was er auch izt noch ist, eine eigne selbstherrliche,mit den andern Bezirken verbündete Republik, unter selbstgewähltenObrigkeiten und selbstgegebnen Gesetzen. Auch heut noch ist dasLand ein Föderativstaat, ohngefähr wie Graubünden; nur mit demUnterschiede, daß jetzt das weiland herrschende Oberwallis in achtCenten zerfallen ist, und daß die ehmaligen Landvogteien im Unter-wallis zu 5 eben so freien ,-Centen" oder klxinen Republiken erhobensind, welche in allgemeinen Angelegenheiten des Kantons, ihreGesandte so gut, wie jene, zum Bundesrath, der aber „Land-