230
Wogen« führt, zeigt er ihn den Blicken der ungedul-digen Menge. blcco liomo! rief er ihnen zu, seht denMenschen! und der Unglückliche, welcher ausMitleidensich unmenschlich zeigen zu müssen geglaubt hat, über-redet sich, daß beym Anblicke einer Krone, eines Pur-purs, und eines Scepters so sonderbarer Art das Kö-nigthum Jesu, weit entfernt ein Gegenstand desSchreckens zu scyn, nur Verachtung, und vielleichtErbarmen erregen würde, — er schmeichelt sich, daßHie Grausamkeiten, welche er geschehen ließ, und denener das blutbedeckte Haupt unter den Augen dieserWeichenden preis gibt, andere Frevel verhüten werden,denen diese sich gerne überlassen möchten.
»Seht den Menschen!« wiederholen diese blutgie-rigen Tieger. Nun wohl ! Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!er soll gekreuziget werden! und Mordgeschrcy ertöntsogleich von allen Seiten. Die Unruhe des Pöbels,der wachsende Tumult, die Verwünschungen, die Ver-fluchungen, die Drohungen vor dem Zorne des Kai-sers, die Besorgniß eines allgemeinen Aufstandes be-unruhigen, verwirren und bestürzcn den Statthalter,sie machen ihn zur Beute aller Qualen, welche einGewissen bestürmen können, das aus Schwache undSchrecken zwischen der Pflicht einen Unschuldigen zuretten, und dem Verbrechen, ihn ans Kreuz heften zulassen, unschlüssig ist'. Ein Gedanke der Gerechtigkeit ilebt in ihm auf, und beherrscht einen Augenblick langseine Seele; er verlangt Wasser, wäscht sich öffentlichdie Hände, und spricht : »Ich bin unschuldig an dem