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X.
Kanton Thurgau.
i.
Die Kaprlle bei Zchwabtrloch,
Neber einen sanft ans- nnd abwallenden, fruchtbaren Boden,der hin und wieder zu Hügeln aufschwillt, tritt man zwischenGetreidefeldern, Weinbergen, weiten Obstgärten oder Alleen vonFruchtbäumen, die kleinen Lustwäldcrn gleichen, in den KantonThurgau ein. Man erblickt hier keine Wildnisse, keine Felfen-massen, keine Alpen, das Hochgcbirg zeigt seine Gipfel nur ausder Ferne. Dies freundliche Hügelland zählt, wie seine Nachbar-kantone, Schasihausen und Zürich zur »,ebnen Schweiz." Eswohnen im Thurgau, auf dem Flächenraum von etwa 17 Geviert-meilen, gegenwärtig bei 84,000 freie Menschen (zehn Jahre früherzählte man nur wenige über 79,000). Nicht nur Landbau undViehzucht sind im sichtbaren Fortschritt, sondern Gewerbe allerArt, Handel, Manufakturen und Fabriken verbreiten sich durchDörfer und Städte zahlreicher und nähren das Wachsthum desallgemeinen Wohlstandes.
So war's nicht vor 40, noch nicht vor 30 Jahren. Es istwahrlich der Mühe werth dies Ländchen und die Seegenskraftder Freiheit zu sehen. Vorzeiten fand man hier armes, vielbe-drängtes, von allen Seiten ausgesogenes Unterthanenland derschweizerischen Eidsgenossenschaft, unfreier, sklavischer als irgendein Gebiet und Volk benachbarter Monarchen. Noch vor vierJahrzehenden war es mit Schmach der Leibeigenschaft bedeckt.Jeder Unterthan hatte seinen Guts- uud Leibherrn, dem erden „Fallbatzen/', die „Lcibhenne" oder andere Kennzeichen derKnechtschaft entrichtete, und nach dem Tode sogar noch dasbeste Stück Vieh im Stall, das beste Gewand im Kleiderschrank