Druckschrift 
1 (1836)
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172

Rudolph von Werdenderg stellte dieselben am Fuß des Berges, dersich dort erhebt, oberhalb der Kapelle in Schlachtordnung. Ent-schlossen, frei zu leben, oder als Freie zu sterben, warfen sichdie 400 gegen die 3000 ins Gefecht, nachdem zuvor der Feindeeine große Zahl durch herabgewälzte Felsen zerschmettert wordenwar. Jeder Einzelne von den Appenzellern schien sich zu verviel-fältigen. Einer von ihnen, Ulrich Notach, den Rücken an eineHütte gelehnt, nahm es allein mit zwölf Gegnern auf, deren erfünf erlegte, bis die Hütte brennend über ihm zusammenstürzte.Die Flucht des Feindes ward aber erst von der Erscheinung eineSlangen Heerzuges entschieden, der in Hirtenhemden über den Som-mersberg den Appenzellern zur Hülfe eilte. Es waren die Frauenund Töchter der Appenzeller, von Gais daherwandelnd, an derSeite ihrer Gatten, Söhne, Väter und Brüder zu streiten, oderden Tod zu finden. Ehe sie jedoch herankamen, hatten die Männerschon den Sieg wohlfeilen Kaufs, nur mit Verlust von zwanzigder Ihrigen errungen, während der dritte Theil des feindlichenHeeres zerschmettert und erschlagen auf dem Schlachtfelde lag.Als im Jahr 1820 der Eigenthümer der Wahlstatt einen Hügelseines Gutes, unterwärts der Kapelle, ausebnen wollte, fand ernoch unter aufgehäuften Steinen der Todtengerippe eine Menge.

Den Siegestag feiert Juncrrhoden alljährlich noch mit einer Bet-fahrt, zu welcher jede Haushaltung wenigstens eine Mannespersonsenden muß. Und im Jahr 1825 war es hier, daß fast ausgesammter Eidsgenossenschaft, der "Sempacher - Verein" , verbun-den mit dem Appenzeller Sängerverein, nnter dem Liede »,AmGrabe nuserer Väter" das Gedächtniß der Freiheitsschlacht beging.

Die Schweizer, mit Ausnahme einiger von ihnen selbst ver-spotteter Thoren, setzen keinen Werth auf ihr Abstammen aus adlichenGeschlechtern der Vorzeit; desto höhern auf die adlichen Thatender Vorwelt. Zur Verehrung derselben verbanden sich aus vielenKantonen im Jahr 1822 gebildete junge Männer, mit Verpflich-tung , alljährlich auf irgend einer Wahlstätte schweizerischer Frei-heitsschlachten zusammen zu treten und sich durch das Andenken deralten Heldenwerke, zu ähnlichen zu begeistern, wenn Gefahr desVaterlandes dazu riefe. Weil sie die erste Zusammenkunft aufdem Kampfplatz von Sempach gehalten, empfing ihre Verbrü-derung jenen Namen desSempache r -Ve re ins."

Aber auch die nächsten Umgebungen der Kapelle am Stoß sinddurch manche Merkwürdigkeit anziehend. Nur eine Stunde vonihr liegt im wiesenreichen Hügellande das große und schöne Dorf