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heiligen Antonius in sein Dorf mitgebracht. Es war in der Kircheaufgestellt, bis zur Zeit der Reformation alle Heiligenbilder fortge-schafft wurden. Der heilige Antonius mußte sich ebenfalls gefallenlassen, in eine Polterkammer zu wandern. Die katholische GemeindeAppenzell, sich seiner erbarmend, unterhandelte; bot für das Bild dieholzreiche Sommeralp "Jmflnh", 4 bis 5OOÜ Gulden an Werth.Umsonst. Vielleicht modert izt noch das Bild in einem Winkel, wäh-rend sich Appenzell des Eigenthums seiner fruchtbaren Alp freuen mag.
Die Bitterkeit des Glaubenshasses ist freilich verschwunden; aberdie Wirkungen desselben dauern noch im Gegensatz von beider Ge-meinwesen Leben fort. Einst war der Flecken AppenzellHanptort des gefammten Landes; hier blühte damals durch Garn-Handel und Leinwcbereien größerer Wohlstand; hier strömten dieLandlentc zu Märkten und Festen, zu Nathstagen und Landsge-meinden zusammen. Dem ist nicht mehr so. Ueber ein Paar Ka-puzinerklöster und über die alten finstern Hänser des Ortes erhebtsich nur die fromme Pracht der seit einem Jahrzehend neu undmassiv erbauten Pfarrkirche. Dagegen haben die beiden Hauptorteder reformirten, aussern Rhoden, Trogen und Herisau, mitihren Werkstätten und Fabriken, und schönen Häuserreihen, städtischeGestalt und städtisches Leben.
Wie überhaupt in der Schweiz, ist auch im Appenzcllerländ-chen der Abstand der reformirten und katholischen Ge-genden auffallend. In Anßerrhoden trägt Alles das Geprägedes Wohlstandes, der Ordnung und Reinlichkeit. Die freundlichen,saubern Wohnungen der Reichern wie der Aermern sind fast durch-sichtig von ihren vielen, hellen Fenstern, und gewähren beim erstenAnblick ein Gefühl vom darin geführten behaglichen Leben. Zwi-schen sorgfältig gepflegten Wiesen, Aeckern, Banmgärten, sichimmer mehr erweiternden, zierlichen Dörfern, Landhäusern undAnlagen laufen wohlunterhaltens Landstraßen hin, belebt von Fuhr-leuten, Landarbeitern, Feilträgern und Reisenden jeder Gattung.In den Ortschaften selbst regt sich, neben Feldbau und Viehzucht,das Treiben von Künstlern, Handwerkern, Webern, Kaufleutenund Fabrikanten. Schulen und Bilduugsanstalten werden vonJahr zu Jahr verbessert und vermehrt. Es werden Bibliothekenund Lesezirkel gehalten; wissenschaftliche und gemeinnützige Gesell-schaften für des Ländchens Wohlfahrt besucht. Straßenbcttler er-blickt man fast nirgends; und wenn schon es nicht ganz an Armenfehlt, wird für die zur Arbeit Unfähigen durch reichliche Steuernoder in besondern Stiftungen gesorgt.