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VII.
Kanton Glarus.
i.
Der Flecken Glarus.
Selbst unter Schweizern gilt dies Alpenlandchen immer mehr,als einer ihrer Lieblinskantone. Es ist durch Rauheit seines Bo-dens, durch Wildheit seiner Gebirgsnatur, zwar arm, wie diemeisten der Hirtenländer in den Thälern der Alpen. Sein schmalerFlächenraum von etwa 31 Geviertmeilen schrumpft auf 4 oder 5derselben zusammen, die anbaufähig oder bewohnbar sind (nichtgerechnet die hohen Alpentriften für die Heerden). Und auf die-sem Raum, den oft noch Waldströme, Gießbäche und Lauinenverwüsten, sollen 30,000 Menschen ihre Nahrung suchen! Aberdoch findet die Mehrheit des Volks durch Gewerbsthätigkeit undsinnreichen Kunstfleiß nicht nur Nahrung, sondern selbst Wohlstand.Glarner Handel geht durch ganz Europa und über das Weltmeer.Er hat in entfernten Ländern Niederlassungen und Fabriken, dieihren Gewinn der Heimath zusenden. In Dörfern sieht man fastallenthalben Werkstätten der Maschinenspinnerei, der Linnen- undBaumwollenweberei, der Seidenwaaren, Färbereien und Druckereien.Glarnerschiefer wird weit umher vertragen; ebenso Kräutertheeund Schabzieger. Für letzteren wird das Kraut, welches ihn würzt('trikolium melilotus eaerulsum), nicht einmal mehr, weil schondas Land zu kostbar ist, in den Glarner Dörfern selbst so häufig,wie sonst gebaut, sondern aus Nachbargegenden angekauft.
Auch Glarus besizt zwar, wie die übrigen Hirtenkantone imSchoos der Hochalpen, die alterthümliche demokratische Verfassungdes Staats. Die 15 Tagwen (oder Bezirke) des Landes wählenihre unmittelbaren Obrigkeiten, und in allgemeiner Landesgemeinde,bei welcher alle Landleute mitstimmen, die über 10 Jahre alt sind.