Druckschrift 
1 (1836)
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

gefeiert. Ja, bis zur neuester. Zeit beging Freiburg sogar denJahrestag der ersten Villmergerschlacht (v. I. 1657), mit religiöserFestlichkeit, wo brudermörderischer Fanatismus die katholischen Kan-tone siegreich gegen die protestantischen Eidsgenossen ins Feld geführthatte.

Man erkennt in dergleichen kirchlich-weltlichen, oder religiös-politischen Einrichtungen der katholischen Schweizerkantone die frommeSinnesart der Völkerschaften; aber deutlicher noch tragen sie dasGepräge einer tief durch das Innerste des republikanischen Lebensgedrungenen Hierarchie. Indem diesen gutmüthigen aber bildungs-armen Hirtenvölkern schmeichelhaft gepredigt wird: "Ihr seid freieMänner; Ihr habt keinen Herrn und König über Euch, als Gottim Himmel!" ist nichts leichter, als der Uebergang zu den Priesterngemacht, zu den Dienern dieses Königs, welche seine Befehle ver-künden und Gehorsam fordern. Die Priesterherrschaft, im Namender Kirche oder Gottes, bildete sich bei den demokratischen Hirten-völkern erst im Lauf der Jahrhunderte, neben einer gleichzeitigerwachsenden Familienherrschast, allmählig aus, bis die geistlicheHoheit dem Auschn weltlicher Obrigkeit vollkommen gleich stand,oder es sogar überwog.

Sämmtliche Priesterstaaten alter und neuer Zeit gestalteten sichnach den nämlichen Grundsätzen aus, wie wir sie in den meisten katholi-schen Staaten der Schweiz ausgeführt sehn. Die Basis der Theokratieist die Kraft des Glaubens an das priesterliche Wort. Jeder Zweifel istHochverrath. Zur schnellen Verkündung, zur sichern Vollstreckungder Gebote des göttlichen Landes Herrn wird eine zahlreicheMenge seiner Diener unvermeidlich, die, in vielfachen Abstufungeneinander untergeordnet, blindlings die Weisungen der Obern er-füllen. Es ist eine lange, starke Kette, von welcher das ganze Land,jedes Dorf, jedes Haus umschlungen ist, und deren leztes Gliedin der Hand des Hohenpriesters ruht, der im Namen Gottes spricht.Ein Zug von dieser Hand, und es ward damit ehmals ein ganzerWelttheil, von den Thronen bis zu den untersten Volkstiesen, er-schüttert.

Was den Dienern des Mars zu Theil ward, das war derGottheit geopfert; was dem Himmel gegeben ward, fiel dem Genußder Priester zu. Beide standen untrennbar vor dem Volke. Allesmußte nur zur Verherrlichung eines Gottes geschehn, dessen Ehredie Ehre seines Dieners ward. Dem der unsichtbar waltet, derden Menschenkindern Alles verleiht, ihm gehört Alles. Wie ererhaben steht über sterbliche Fürsten, so stehn seine Diener erhaben