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Aber daS ist die Wirkung der hohen Natur, in der sie wohnen;das die Wirkung des einsamen Lebens, welches in Gebirgen un-vermeidlich ist und in volkreichern Thälern, Dörfern und Städtenwieder in Abgeschlossenheit einer Gemeinde von der andern, undabermals in Vereinzelung der Familien inmitten der Ortschaftenerscheint. Dieser Hang zum Fürsichseyn, zum Fürsichbeftehn derFamilien, der Ortschaften, der Kantone ist ein Grundzug imSchweizercharakter, und so unaustilgbar, als es die Bergkettensind, die ihre Thäler scheiden. Solche Vereinzelung und Abge-schiedenheit bringt eine gewisse Einseitigkeit, aber auch eine Energieder Gemüthsart und ein Gefühl der Selbftftändigkeit hervor, wasmit der Geschmeidigkeit, Vielseitigkeit und Abgeschliffenheit derEbnenbewohner allerdings einen scharfen Gegensatz bilden muß. —Wie Arnold Anderhalden denken und fühlen noch viele Tau-sende in der Schweiz, die unter ähnlichen Verhältnissen ihm ähnlichhandeln würden. Wie Nicolaus von der Flue in seinemGottesgefühl leben noch Tausende zerstreut im Gebirg, die,wenn sie auch nicht, wie er, in Enthaltung von fast aller Nahrungsich abtödten, doch ihre innere, geheime Religion bewahren, welcheohne oder mit der herrschenden Kirchlichkeit bestehend, für sie mehr,wie diese, nämlich als eine innere Erleuchtung gilt. Im Mittelalterwaren die Begharden und Lollharden, oder Brüder desfreien Geistes in der Schweiz sehr häufig. Nachdem Zwingliund Calvin ihre Reform der Kirche begonnen hatten, wandtensich Tausende im Volk den schwärmerischen Wiedertäufern zu.
Ich zweifle gar nicht, daß selbst ein Mann von hoher Bildungdes Geistes und Gemüths, ein Weltweiser, oder Dichter, wenner längern Aufenthalt in den Alpen des Melchthals machte, baldeine andre und höhere Ansicht der Welt, eine andere Liebe derewigen Güter der Menschheit, ein andres Seyn haben würde,als er aus dem Staub der Schule, aus der trocknen Pracht derPalläfte, aus dem Gewühl der Märkte mit hinaufgebracht hatte.Man hört auf, Geschöpf der Kunst zu seyn, und wird, durch-drungen bis im Innersten der Seele vom reinen Hauche der Natur,ihr Kind und wie sie selbst. Was Lebensziel der meisten Sterb-lichen ist, was die Leidenschaften der Einzelnen und ganzer Natio-nen stürmisch aufregt, Gold, Ruhm und Nachruhm, Herrschaftund Gewalt verschwebt, wie ein nichtiger Nebel am Felsen iyrSonnenstrahl. Gott selber erscheint dem Geist dort, als ein andrerGott, penn der in Philosophemen der Schulweisen, in Dogmendes Kirchenthums, in Katechismen der Kindheit.