II.
Kanton Uri.
Eilie Stadt von kaum mittler Größe beherbergt hausig zahl-reichere Bevölkerung, als dieser souveräne Alpenftaat, welcherunter den Urkau tonen der Schweiz, als deren erster glänzt.Er hat von einem Ende zum andern, in seinen 20 — 30 Dör-fern, kaum 13,000 Einwohner. Und doch wird seines GebietesFlächenraum auf mehr denn 30 Geviertmeilen geschätzt. Aber weitaus den größern Theil des Raums bedecken unwirthbare Felsen,Firnen und Gletscher, von 5 — 10,000 Fuß Höhe, und, nur imSommer, den Heerden zugängliche, Alpen. Der Mensch aberwohnt in der Tiefe schmaler Schluchten und Thalgelände, wo dieGebirge ihre Fuße verschränken und den Bergströmen Durchganggestatten.
Von den Quellen der Reust, auf dem höchsten Uebergangs-punkte des St. Gotthardsberges, zieht sich längs diesem Strome,ein enges Thal zehn Stunden lang abwärts bis zum See dervier Waldstätte, den es noch, ein Paar Stunden weiter hin,gabelförmig mit seinen Uferrändern, wie eine große Bucht, um-faßt, oder vielmehr mit Felswänden und waldigen, wilden Berg-Halden ummauert. Vom Hochgebirg der Morgenseite münden sichzwei Bergwasser gegen die Renß ans: der Schächenbach und Ker-ftelen- oder Maderanerbach, die aus dem verschneiten Hinter-grunde noch engerer Nebenthäler gleiches Namens hervortoben.Gegen den See hin erweitert sich aber das Hauptthal, mit flachenversumpften Ufern auf die Breite einer halben Stunde; von dazurück, den Reußftrom aufwärts, verengert es sich allmälig, bis,nach vier Wegstunden schon, die 8000 Schuh hohe Pyramide desBriste nstoks Alles, selbst jeden Ausweg zu verrammeln scheint.Dort schlangelt sich rechts jedoch durch Gebirgsschluchten die be-