44
durch die Lüfte, von der Tiefe der Erdenwelt zum Himmel gezogen,und au die hohen Gebirge gelehnt. Wie winzig stellte sich in dieserGlorie der Natur, unter diesen Umgebungen, die alle das Geprägeder Unermeßlichkeit trugen, jener Mönchspallaft hin! NürnbergerTand; Schnitzwerk menschlicher Eitelkeit! Inmitten so erhabner Ge-bilde müssen selbst Aegyptens Pyramiden kleinlich verschwinden. Pha-raonen-Werk ist nnr in einer Wüste des Sandmeers groß. Weitharmonischer mit den riesigen Gestaltungen der Berge, mit diesenStreiflichtern und Abgründen, dünkten mich die armen, ländlichenHütten im Thal und am Gebirg da zu liegen, wie Bilder mensch-licher Demuth im Schooße göttlicher Größe und Macht.
An der Stelle der Benediktiner-Abtei Disentis befand sichvor Jahrhunderten nur eine Bethütte frommer Einsiedler. Alte Ur-kunden bezeichneten sie, als eine Zelle bei einer Höhle (oella udispoluneu est). Abergläubige Gottesfurcht der folgenden Zeitalter,oder vielmehr Politik der Mönche, welche die andächtige Unwissen-heit des Volks wohl auszubeuten verstand, verwandelte die Bet-hntte zum Pallast, den Einsiedler zum fürstlichen Abt. Er spielte inden alten Fehden und Kriegen des Hochlandes eine Hauptrolle, wienachmals in den blutigen Neligionshändeln und bürgerlichen Unruhender Bündner. Doch gewann das Kloster wenig dabei. Bei üblerHaushaltung und unter allseitigen Feindseligkeiten, verarmte dasGotteshaus wieder. Es verkaufte die meisten seiner Nechtsame denGemeinden. Mit den Reichthümern verlor der Abt Einfluß undBedeutsamkeit.
Das jetzige Gebäude der Abtei ist erst im Laufe dieses Jahrhun-derts neu aufgeführt worden, denn im Jahre 1799 war es durchblinde Rache des französischen Kriegsvolks den Flammen geopfert.Damals, wie bekannt, hatte sich Frankreich völkerrechtsmörderischder ganzen Schweiz bemächtigt, welche, bei aller Tapferkeit ihresVolks, durch Unfähigkeit, Eifersucht und Zusammenhangslosigkeitihrer kleinen, aristokratischen Regierungen, zerfallen in sich, undwehrlos, dalag.
Auch Graubünden war zu jener Zeit durch politische Partheienzerrissen. Eingeladen, sich mit der helvetischen Republik zu vereinigen,erklärte eine Parthei dazu Geneigtheit, doch nur bedingt unddaß kein französisches Heer den Bündner Boden betreten solle; dieGegenparthei hinwieder verwarf den Antrag und wollte den Frei-staat unter Oesterreichs Schutz stellen. Die Letztere gewann Ober-hand; aber ohne Vorwissen und Willen des soUveränen Volks, derHochgerichte und Gemeinden, wurden österreichische Trupven, unte?