Druckschrift 
1 (1836)
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

welche denen eigen zu seyn pflegt, die, in roher Genügsamkeit mitsich und ihrem Thun, um das Wohlgefallen Andrer wenig be-kümmert sind.

Doch wachsender Verkehr mit Fremden, Beispiel einzelnerFamilien von besserer Bildung, haben auch hierin schon bedeu-tende Umwandlungen gewirkt. Die Einverleibung des vormalsselbstständigen Bündens, als Kanton, in die Eidsgenossenschaft,weckte andern Geist auf in vielen Thälern. Das Gemeinlebenmit den Schweizern konnte nicht ohne Einfluß bleiben. EineMenge Verbesserungen drangen in den kleinen Staat ein. DieHauptstadt des Ländchens führte ihre Verschönerung aus; wissen-schaftliche Anstalten und Verbindungen erhoben sich; elende Berg-wege wurden zu breiten Chansseen; Gemeinsinn rief zur Schöpfungbessern Jngendnnterrichts an, der in manchen Gegenden fast ganzgefehlt, in den meisten den traurigsten Zustand hatte; öffentlicheBlätter erweiterten den Jdeenkrcis des Volks. Aber alle dieseVortheile wuchsen doch vorzüglich nur der deutschen Bevölkerungdes Landes zu. Die romanischen und ladinischen Gegenden, sowie selbst die Deutschen in abgelegnen Thälern des Gebirgs, ver-harren noch steif in herkömmlichen Verhältnissen, Sitten und Ent-behrungen. Sie werden es lange noch.

Jener Mangel der Schulbildung und Geistesentwickelung imVolk, neben dem natürlichen Mutterwiz desselben, ist um so auf-fallender, da vielleicht im ganzen Lande kein Thal, ja kaum einegrößere Ortschaft vorhanden ist, in welcher nicht irgend eine Fa-milie von edlerer Erziehung wohnt. In den Häusern derselbenfindet man städtische Sitte, Weltton, Bücher, Alles was daSLeben veranmuthigen kann. Bei der unbedingten Rechtsgleichheitaller Einwohner genießen die Mitglieder solcher Familien durch-aus kein bürgerliches Vorrecht. Ja, sie können manchem Nachbarsogar an Glöße des Vermögens nachftehn. Und doch wirkte ihrBeispiel selten zur Nachahmung des Bessern, und, was auch nichtverschwiegen werden darf, sie selbst wollten dazu wohl nicht immerwirken.

Gewöhnlich sind es Geschlechter, deren Söhne in frühern Zei-ten durch auswärtigen Kriegsdienst in Frankreich, Piemont, Spa-nien u. s. w. mehr Wohlstand und Kenntniß erwarben, als ihreübrigen Landsleute. Kamen sie zurück, wählte man sie, dieserUeberlegenheit willen, in Staatsämter, wo sie der Gelegenhei,ten genug fanden, besonders in den ehemaligen Unterthanenlan-den Veltlin, Cläven und WormS, ihre Reichthümer zu mehren.