Druckschrift 
Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt : sein Selbstbiograph.
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

BooS in O e fr r e i ch.

In Linz wurde er mit Freuden aufgenommen, und fühlte sichwie neugeboren, daß er nach so vielen Leiden endlich einmal ruhigund unangefochten geduldet wurde. Er arbeitete in der Stille, dochkräftig fort in der Seelsorge an verschiedenen Orten, wo er vom Bi-schof angestellt wurde, nämlich als Cooperator zu Lconding, Wald-neukirchen, von wo ihnBertgcn, derFrcund des Bischofs,zu sich undmit sich auf seine große Pfarrey Peyerbach nahm, wo er im Segenwirkte.

Nachher wurde er als Pfarrer nach Pöstlingberg, nahe bei Linz,befördert, und endlich 1800 nach Gallncukirchen, einer der bestenPfarrcycn, versetzt, durch die Zeugnisse, die Bcrtgcn dem Bischoffür ihn ausstellte.

Im Jahre 1807 starb der edle Bischof Gall, die vornehmsteStütze des lieben Boos, der genaueste Kenner seines Geistes undseiner christlichen Gesinnungen.

Bis zum Jahre 1810 wirkte er mit stillem Segen, und unan-gefochten, weil sich keine besondere aufwallende Erweckungen zeig-ten. Aber in diesem Jahre, den 8. Sept., an Mariä Geburt, brach -auf seine Frühlehre von beiden Seiten das Feuer des guten undbösen Geistes wieder aus.

Die Pfarrep war groß und zahlreich, bei 4000 — 5000 See-len, die alle für ihn waren und ihn mit Enthusiasmus horten und lieb-ten. Nur zwei Weber fingen, aufgehetzt durch einen Geistlichen, derdie fette Pfründe dem Ausländer nicht gönnte, und den guten Bissenlieber selber gehabt hätte, erst an, gegen Boos aufzutreten; siesuchten und fanden bald Parteigänger, die jedoch nie zahlreich wa-ren, sondern anfangs nur 10, IL, und endlich höchstens dreißigwurden. Diese klagten über seine Lehre, die sie nicht verstanden,und fanden auch leicht Ohren, die da gern Klagen hörten über denhochgeschätzten und vvrgezogncn Ausländer. Der damalige Bi-schof Hohenwart!), ein guter, aber schwacher Mann, wußte sich nichtzu benehmen. Kurz Boos siel wieder in die Inquisition, die, solange Bcrtgcn, der nun Domscholastikcr und nachher Regicrungs-Rath und sein Gönner und sein Freund war, lebte, gut für ihnaussiel.

Aber nachdem Bcrtgcn starb, war auch seine letzte Stütze ge-brochen (—nur die im Himmel wohnt, nicht. Denn die bricht nicht,wenn alle Stützen brechen). Niemand kannte ihn so genau, Nie-mand wollte sich seiner so kräftig annehmen, die Meisten mißgönn-