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Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt : sein Selbstbiograph.
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IX

Würden alle Geistlichen darauf sehen und darüber hal-ten, dann müßte es ganz anders stehen, und ein anderes Le-hen geführt werden unter allen Christen. Aber da schon soViele todt und blind am todten Buchstaben hangen, und mandie Wenigen, die da sehen und leben, auch noch geistlich todtund blind machen will — da man alles Leben, das sich regt,gleich ersticken, alles Licht, das sich blicken läßt, gleich auslö-schen will, so hat man den Gipfel des höchsten Elends er-reicht. Wenn Gott nicht andere Wege hätte, auf welchensie es nicht hindern können, oder wenn sie nicht immer einigeJahre zu spät kämen, wo der Herr schon zuweit vorgerücktist, so würde wohl kein Licht und kein Leben im Lande seyn.

Die Profanen mischen sich auch gern zu viel in die Sa-che. Ohne Gefühl für Christus und Religion zu haben, se-hen sie nichts als Schwärmern), und wo auf Gottseligkeitund innere Religion gedrungen wird, ohne welche die äußeredoch keinen Werth hat, finden sie nur Unsinn.

Dieß sah Boos, dieß rührte ihn, daß die Religion,wie sie gewöhnlich getrieben wird, so wenig Einfluß auf dieBesserung des Herzens hatte. Der große Haufe lebt heid-nisch bei einem christlich genannten Glauben. DaS brachteihn in Eifer, wie den Paulus zu Athen, daß er stark undderb predigte gegen das herrschende Verderben. Unter sei-nen Zuhörern waren nicht nur Unwissende und Gutmüthige,mit denen er immer das größte Mitleiden hatte; es gab auchrohe, grobe und boshafte Menschen, die sich nicht bekehrenwollen, die sich durch die derbe, aber wahrhafte Schilderungihres Werderbens und ihrer Heuchelei) beleidigt fanden, undsich an dem Prediger der beißenden Wahrheit zu rächen such-ten ; da Boos doch keine andere Absicht hatte, als, wie Chri-stus, die Sünder zu suchen, und durch lebendigen Glaubenan Christus selig zu machen. Dafür hing Christus amKreuze, und Boos, wie jeder Prediger des Gekreuzigten,wurde mit Ihm gekreuziget. Cr verließ öfters Alles umChristi willen, kam in die elendesten Umstände, und folgteseinem Meister auf dem rauhesten Wege. Dadurch erlangte