236 Daß dcr Mensch nicht gar zu klcmnüithi'g sein soll :c.
Sieben und fünfzigstes Kapitel.
Daß der Mensch nicht gar zu kleinmüthig sein soll, wann erin erliche Gebrechen sällt.
1. Mein Sohn, es gefallt mir mehr Geduld undDemuth in Widerwärtigkeiten, als viel Trost und An-dacht im Wohlstände. Was betrübt dich so ein Ge-ringes, das wider dich geredet wird? Wenn es auchmehr gewesen, hätte es dich nicht bewegen müssen.Aber nun, laß fahren dahin! Es ist nicht das Erste,noch was Neues, noch wird's das Letzte sein, wenndu lange lebest. Mannhaft genug bist du, so langenichts Widriges begegnet. Du gibst auch guten Rath,und versiehst Andere zu stärken mit Worten, aberwenn an deine Thüre kommt eine plötzliche Trübsal,so gebricht's an Rath und Stärke. Merke deine großeGebrechlichkeit, die du öfters erfährst in geringen Vor-fallen. Dennoch geschieht's zu deinem Heile, wenndieß und Aehnliches sich begibt.
2. Setze Solches, so gut du kannst, aus demHerzen, und wenn es dich berühret hat, so laß esdich doch nicht darnicderwerfen, noch lange verwickeln!Zum wenigsten halte geduldig aus, wenn du es nichtfreudig kannst! Ob du es gleich nicht gerne hörest undEntrüstung fühlest, dränge dich zurück, und laß nichts