1 l 4 Von der Prüfung eines wahrhast Liebenden.
achtet vielmehr auf die Zuneigung als auf die Schätzung,und setzet alle Gaben weit unter den Geliebten. Einedler Liebhaber ruhet nicht in der Gabe, sondern inmir über alle Gabe. Derhalben ist nicht Alles ver-loren, wenn du bisweilen nicht so gut von mir odervon meinen Heiligen denkest, als du wolltest. Jenegute und süße Zuneigung, die du zu Zeiten empfindest,ist die Wirkung der gegenwärtigen Gnade, und eingewisser Vorgeschmack des himmlischen Vaterlandes,worauf man sich aber nicht zu sehr stützen muß, weilsie kommt und gehet. Kämpfen aber wider die vor-fallenden bösen Regungen des Gemüthes und die Ein-gebung des Teufels verachten ist ein Zeichen derTugend und großen Gewinnes.
3. Derhalben laß dich fremde Einbildungen, vonwelcherlei Gegenstand sie auch mögen eingegeben sein,nicht stören! Tapfer bewahre deinen Vorsatz und diegerade Richtung zu Gott! Es ist auch keine Täuschung,daß du bisweilen plötzlich in die Höhe entrücket wirst,und alsbald zu den gewohnten Thorheiten des Herzenszurückkehrest. Denn die leidest du vielmehr widerWillen, als daß du sie thust, und so lange sie miß-fallen und du widerstrebest, ist es ein Gewinn, undkein Verderben.
4. Wisse, daß der alte Feind allewege trachtet,dein Verlangen im Guten zu hindern, und von aller