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Ueber Toleranz.
O sorgen Sic nicht, liebster Freund, die Religionwird immer oben bleiben, wenn sie auch noch so sehrgedrückt wird; der Mensch bedarf ihrer zu sehr, umsie gänzlich zu entbehren; er wird sie immer unter denRuinen wieder hcrvorsuchen, wenn es jemals einem Hc-rostratnS gelingen sollte ihren Tempel zu verbrennen.Daß viele der scharfsinnigsten Männer sich gegen sieverbunden haben, irret mich nicht. Au scharfe Sinnegeben unrichtige Empfindungen, und zu scharfes Nach-denken macht schwindeln. Die Religion ist für Men-schen von gesundem Verstände; und ihr weiser Urhe-ber hat wohl dafür gesorgt, daß wir ihn aus seinenWerken anschauend erkennen, lieben und verehren kön-nen. Wie viele Millionen Menschen würden nichtsvon ihm wissen, und folglich ohne Trost, ohne Hoff-nung und ohne Furcht dahin leben, wenn sie sich andem Faden der Metaphysik zu ihm hinauf spinnenmüßten?
Jedoch, Sie wollten eigentlich nur wissen: obeine unbeschränkte Duldung aller Meinungen nicht zu-letzt eine gänzliche Gleichgültigkeit gegen alle Religionhervorbringen werde? Auch dieses, liebster Freund, be-sorge ich nicht. Denn eine solche unbeschränkte Dul-dung, welche Atheisten, Dcistcn und Christen zu einemZweck, oder zu einem Staat verbinden soll, wird sichnirgends einführen lassen. Der Atheismus isolirt fei-