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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Überblick über Römer- und Nibelungenspuren 191

Kohorte übersetzt wird:Die Schar, die da heißt die welsche." Wir werdenuns darum auch im Blick auf das Römerlager Kneblinghausen, das imMittelalter Cnivlinghuson heißt, fragen müssen, ob in diesem Worte einNibelungenhausen steckt, wobei das vorgeschlagene C keine Schwierigkeitenmachen dürfte, weil in der alten Form Hniflungen auch noch vor dem n ein Herscheint und niveln knibbeln ist. In Waldeck aber begegnet uns eineNebeldecke als Nebenfluß der Warme, die in die Diemel geht. Hier scheidetsich fränkisches und sächsisches Sprachgebiet; hier liegt ein alter Grenzwall,woraus klar hervorgeht, daß mit dem Namen Franken gemeint sind. Genug:der Zusammenhang zwischen Nibelungen, dem Schatz und demDrachen wird ernstlich zu beachten sein. Es ist ja bekannt, wie auch inder schweizerischen Winkelriedsage der Held das Land von Drachen undSchlangen befreit, und nach dem im 16. Jahrhundert schreibenden CyriacusSpangenberg sind Drachen unmittelbar den Tyrannen und Landverwüsterngleichgesetzt.

Da wird es wohl auch kaum Zufall sein, daß auf der ganzen Linie, diewir für den Todeszug der Varianischen Legionen vom Sintfeld zwischenPaderborn und Marsberg a. d. Diemel, durch den Arnsberger Wald bis nachOberaden gefunden haben, an bemerkenswerten Stellen uns mythische Zu-sammenhänge mit Schlangen und Drachen in Sage oder Flurnamen begegnen.

Besonders wichtig ist gleich die erste Spur, mit der es folgende Be-wandtnis hat. Im Jahre 1172 machte Abt Nicolaus von Island eine Rom-reise, die ihn von der Nordseeküste aus durch Deutschland führte; sein Reise-ziel brachte es mit sich, daß er die sog.lateinische Straße" zog; auf dieserkam er über Paderborn nach Mainz. In seinem uns erhaltenen, erstmaligvon Werlauff 1822 herausgegebenen Reisetagebuch oder Ainerar macht erzu den einzelnen von ihm berührten Orten sehr wichtige Eintragungen überihn interessierende kirchliche oder allgemein geschichtliche Fragen. Da es dieZeit war, in der eben auf seinem nordischen Eiland die Eddalieder in seinereigenen Familie gesammelt wurden, ist die auf das Sintfeld sich beziehendeNotiz von höchster Bedeutung, wenn er schreibt:Dort sind auch zwei Dörfer,das eine mit dem Namen Horus, das andere Kiliandr; zwischendiesen beiden in der Mitte liegt die Gnitaheide, wo Sigurd (Sieg-fried) den Fafnir schlug." Um die Wichtigkeit dieser Eintragungvoll zu würdigen, müssen wir bedenken, daß die ersten Bischöfe auf demIsländischen Vischofsstuhle Westfalen waren, die z. T. in Herford ihreAusbildung empfangen haben und mit ihrer alten Heimat in inniger Ver-bindung geblieben sind, wie wir denn gerade ihnen die Aufzeichnung unsereralten Heldenlieder verdanken. Über den vom Abt als Gnitaheide be-zeichneten Punkt kann der Lage nach kein Zweifel sein, weil unzweifelhaftHorus das alte Horohuson Marsberg und Kiliandr der Ort mit der ältestenKilianskirche in der dortigen Gegend, Brenken a. d. Alme, ist. Bei dieserbestimmten Angabe kann die Gnitaheide nur zwischen Marsberg und Brenkengelegen haben unweit der alten Wüstung Haldinghausen, wo heute noch vonvergrabenen Schätzen und denTürken" gefabelt wird, die dort ein Klostsrausgeraubt hätten. Gnitaheide wird von den Germanisten als Wurm- oderDrachenheide erklärt, wie das Wort noch heute in der niedrigen Sprache inder FormNissen" Nachhallen soll.