tSll Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage
z V. Dietrich von Bern sein ihm streitig gemachtes Reich südlich Bonnbis zur Mosel hatte, so fand auch umgekehrt eine Erweiterung des Schau-platzes statt; immerhin schon bedeutendere Kampfhandlungen mit Hin- undHermärschen von 11V Irrn — Troja (^ Tanten)—Soest — mochten den Zeit-genossen als Unternehmungen gelten, bei denen auf beiden Seiten Königedie Führung hatten: hier ein Atli, der über weitere Ostvölker gebietendeund mit seiner Macht nach Anschauung seiner Zeitgenossen bis nach Grie-chenland reichende Hunenkönig, dort der grimme Trojaner Hagen mitgroßem Aufgebot und Gefolge. Und dennoch trat wieder eine Verengung,zugleich aber auch eine Zuspitzung der Gegensätze ein, indem Kriegsunter-nehmungen von Stämmen zu Familienzwisten gestaltet wurden, bei denenzwar trotz einiger IM Reisiger, die mitkämpfen und sterben, doch die Ent-scheidungen in den Formen ritterlicher Zweikämpfe fallen.
Nun mochte so manche Überlieferung, die zunächst an den hunnischenAttila aus den ungarischen Steppen gedacht hatte, mit der Zeit auf denSoest er König übertragen werden, wie eine Notiz bei Gottfried vonViterbo meldet: „Diese Stadt Sanctis (Tanten) beschloß Attila zu vernichten":— und weil damit ein Religionskrieg der Gottesgeißel gegen die Heiligen(Sanctis) entfacht schien, mochte nun je mehr und mehr bei dem Gedanken andie Hünen der allgemeinere Begriff „Heide" überwiegen.
Wer aber waren die Nibelungen oder, wie sie in latinisierendemSprachgebrauche genannt werden, die Nebulones? Darauf antwortetuns das Waltarilied: Franci Nebulones Nibelungenfranken! Und Müllerwieder bemerkt treffend: „Da den Franken in geschichtlichen Quellen derName Nibelungen nicht beigelegt wird, und dieser Name (Nibelungen) not-wendig auf die Franken führt, so muß er ursprünglich einer fränkischenHerrscherfamilie gebührt haben, die wir nur in den Pippinen finden können.Und wirklich begegnet uns ein Graf Nibelung, ein Sohn des GrafenHildebrand, welch letzterer Oheim König Pippins war. Der Name Nibe-lung begegnet uns bei den fränkischen Großen erst in den Zeiten, als ausdem Geschlecht der Nibelungen mächtige Männer und selbst Beherrscher derFranken hervorgegangen waren."
Nun stehen aber, wie Müller weiter nachweist, neben den historischerklärbaren Nibelungen Doppelgänger mit demselben Namen, jenesdämonische Geschlecht, dem Siegfried den von dem Drachen Fafnir gehütetenSchatz nimmt. So muß also der Name Nibelungen, der den Franken einvon ihnen selbst gewählter und gebrauchter Ehrenname war — anklingend anirodilis (edel) — im Munde der Feinde heruntergekommen sein, wie dieVerbindung mit Drachen andeutet. Unter volksetymologischer Anlehnungan Worte wie niveln ---- knibbeln, stehlen mag der einfache Mann, unter Un-gleichung an irekulo ^ Windbeutel, der Gelehrte seinen Abscheu vor denwelschen Feinden zum Ausdruck gebracht und durch diese Entwertung desNamens die Eigenschaften angedeutet und gebranntmarkt haben, die bei einemplündernden und mordenden Heere besonders in die Augen stachen. Einmalso tief herabgesunken von der beabsichtigten Höhe mochte der Name Nibelungendann zum Sammelnamen für die vom Westen hereinbrechenden Feindewerden, zumal auch der Name „welsch" im Sprachgebrauch des Volkes auchdas Römertum mit umschloß, wie noch in der Apostelgeschichte die italische