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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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176 Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage

wurden. Aber doch spielt dabei noch ein glücklicher Umstand mit, indem wirgerade an dem Schmähnamen selbst erkennen können, daß eben ander durch ihn bezeichneten Stelle sich ein Geschichtsdenkmal befunden hat, dasals heidnisch gebrandmarkt werden sollte. Babilon ist nun insolchem Maße Schmähname geworden, daß es in einer mittelalterlichenVerwünschung heißt:ich wollte, du wärest in Babilon, dort in der WüsteRumaney".

Doch kommen wir nun auf die Erzählung der für unsern Zweck wichtigenEreignisse zurück. Attila, König von Soest in Westfalen, hatte sich in zweiterEhe nach dem Tode seiner Gattin Helke mit Kriemhild, der Witwe des durchHagen meuchlings ermordeten Siegfried, vermählt. Als nun Kriemhildsieben Winter im Hunenland geweilt hatte, berichtet sie ihrem Gatten vondem Nibelungenhort, den Siegfried besessen habe und irgendwo imHunenland, jedenfalls nicht weit von Soest, vergraben liegen müsse.KönigAttila aber war der habsüchtigste aller Männer, und es schien ihm übel,wenn er nicht der Nibelungen Hort erhalten sollte und bat seine Gattin, ihreBrüder nach Soest einzuladen." Trotz der Warnungen Hagens machen sich dieNibelungen auf die Reise.

Hier tritt nun ein scharfer G e g e n s a tz in der Ansehung derÖrtlich -keiten hervor. Nach der in Westfalen geltenden Auffassung liegt dasNibelungenland nicht am Oberrhein, sondern westlich vom Nie-derrhein. Worms wird in dieser Form gar nicht genannt, sondern alsVernicu, auch in Lesarten als Vermingu, Verningu und Vermustu bezeichnet.Da es in der Edda, die im übrigen dieselben Vorgänge, freilich mit manchenVeränderungen berichtet, gar nicht genannt wird, so ist wohl die Annahmeberechtigt, daß auch die älteren uns verloren gegangenen, zum Teil aberin der Edda geborgenen westfälischen Lieder den Namen der Nibe -lungenhauptstadt nicht gekannt haben. Jedenfalls lag sie nach west-fälischer Annahme nicht am Rhein selbst, denn es wird uns aus-drücklich berichtet, daß die Reisegesellschaft erst eine Strecke Weges zurück-legen mußte, bis sie an diesen Strom gelangte. Dann aber folgt nicht einelange Fahrt zu Lande, bis man an die Donau kommt, vielmehr wird derPunkt, an dem die Nibelungen den Rhein erreichen, mit den Wortenbezeichnet:Da wo die Donau und der Rhein zusammenkommen,und da war das Wasser breit, wo die Ströme sich vereinen."Da also die Fahrt vom Niederrhein nach Soest geht, und es sich umeinen Nebenfluß von beträchtlicher Breite handelt, kann nur die Lippegemeint gewesen sein: und tatsächlich wird uns diese auch mit Namen genanntan einer anderen Stelle unserer westfälischen Nibelungensage, nämlich inKap. 35 bei der Reise der beiden Sagenhelden Hildebrand und Wittig. Diesehaben im wesentlichen genau dasselbe Reiseziel wie die Nibelungen, nur daßsie aus einer mehr nördlichen Gegend kommen. Aber sie streben dem mitNamen genannten Lürwald zu, der kein anderer als der Arnsbergerwaldist und dort heute noch eine Wegstunde südöstlich Menden diesen Namenführt. Eben dieser Wald nun ist König Attilas Jagdrevier, das erimmer wieder von seiner Hauptstadt aus in kürzester Frist erreicht. Und auchbei der Fahrt des Wittig und Hildebrand ist dieser Lürwald nahe.

Wenn sie nun die Lippe bei einem Kastell überschreiten, das