Druckschrift 
Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

164 Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage

sich zunächst am Schwarzen Meer in der Mäotis an, wo sie in den dortigenSümpfen in stark geschützter Gegend wohnten. Ein Teil von ihnen zog aberweiter und gelangte an die Donau, wo sie unter dem NamenSicambria"eine Stadt gründeten. Aber auch dort blieben sie nicht, sondern es trieb sieweiter an den Rhein. Am Niederrhein ließen sie sich dann für lange Jahrenieder, erbauten auch hier eine Stadt Sigambria,nicht weit vomRhein". Aber diese Stadt wurde nur im Bau angefangen, jedoch nicht voll-endet. Sie überschreiten dann den Rhein und lassen sich hier nieder.In welcher Stadt? Das sagt uns das Loblied auf den hl. Anno, das um 1V77entstanden ist zu einer Zeit, als die Sage von der trojanischen Herkunft derFranken in höchster Blüte stand. Wir teilen das Gedicht mit:

Cäsar begann zu nahenzu den seinen alten Mannen,

zu den Franken, den edeln;

Ihrer beider Vorderenkamen von Troie der alten,da die Griechen die Burg zerfällten,da über die Heere beideGott sein Urteil so entschied,daß die Troier kaum entrannen,die Griechen nicht durften heimwenden.

Franko saß mit den SeinenViel ferne nieder beim Rheine,

Da wirkten sie dort mit Freudeneine kleine Troie:den Bach hießen sie Santenach dem Wasser in ihrem Lande,

den Rhein hatten sie für das Meer,seitdem wuchsen sie als frankische Heere.

Uns kommt es darauf an, die Sage in ihrem früheren Bestand zu er-fassen, der sich uns um S9l) bei Gregor von Tours in der einfachen Über-lieferungsform darstellt:Viele behaupten, die Franken seien von Pannoniengekommen." Wir erkennen auch, wie durch einen Umstand besonderer Art dieTrojasage diesem einfacheren ersten und ursprünglichen Teil der Stammsageaufgepfropft worden ist. Tatsächlich siedelten ja die Franken umTroja. Aber dieses war das sog.kleine Troja", entstanden aus derColonia Traiana, die urkundlich schon im 4. Jahrhundert, später und bis tiefins Mittelalter hinein, sogar auf Münzen, kurzweg Troia genannt wird.Auch das hatten die stammbaumsüchtigen Franken vergessen, daß kein andererals der Kaiser Traian, auch Troian genannt, der Gründer jener Kolonie beiTanten gewesen war. Eine kirchliche Urkunde des 13. Jahrhunderts kenntbereits den grimmen Hagen, der mit dem Trojaner Hektar gleich gesetzt wird,als den Gründer sogar der Stadt Tanten, und als solcher heißt er dennin der westfälischen Nibelungensage auch Hagen von Troie oder Troja.So ist also der Name, der auch auf Münzen erscheint: Troia Francorum:Troja, die Stadt der Franken", wohl berechtigt.

Wie leicht ergab sich daraus die Einfügung der berühmten home-rischen Stadt Troja! Sie wurde der Ausgangsort der tro-janischen Franken: dagegen das niederrheinische Troja, das nach langer Wan-