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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die erfolglose Belagerung Alisos nach der Varusschlacht 119

Durchhalten oder Kapitulieren? doch auch die Erwägung mitgespielt hat, obnicht auch bei solcher Nähe Alisos noch e i n Versuch gemacht werden sollte,diese Festung zu erreichen. Wenn dann wirklich Caedicius, derspätere mutige und erfolgreiche Verteidiger dieses Lagers, in Aliso durchhielt,so mochte ihm wohl im Blick auf diesen günstigen Ausgang seines Unter-nehmens kein geringeres Lob gebühren wie dem Asprenas. Und gerade derVergleich, zu dem das Verhalten beider unsern Berichterstatter veranlaßte, beide haben sich aus dem Bereich der Gefahr zurückgezogen, beide habenihre Mannschaften gerettet, beide haben bemerkenswerte Umsicht bewiesenläßt uns die Zusammenhänge im rechten Licht erscheinen. Dann hätte sichdas dem Alisoverteidiger Caedicius gespendete Lob nicht lediglich auf dasEntweichen aus der Festung, sondern auch auf den Durchbruch vom Ort derVarianischen Endkatastrophe zum Lippe-Seseke-Winkel bezogen. Wir habenfür unsere Annahme, die im übrigen keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit er-hebt, noch einen weiteren Anhalt. Als nämlich später, beim Beginn derRachezüge des Germanicus, Arminius seine Mannen anfeuert, sagt er,unter dem zusammengerafften, minderwertigen Truppenmaterial der Römerbefänden sich auch dieAusreißer" (krrgucissivai), vor denen sie sichdoch wahrlich nicht zu fürchten brauchten. Wer sind nun diese mit einem soverächtlichen Namen gebrandmarkten Römer? Werden nicht zu ihnen allediejenigen zu zählen sein, die entkommen sind? Das waren die Truppen desAsprenas und die Überreste aus der Varianischen Niederlage (reliczui exelucis Vuriunu), die auchunsere Belagerten" heißen. In der Sprache desFeindes, der seinen Soldaten Mut machen mußte, hieß dann ein Verhalten,das die RömerMenschenrettung" nannten,feiges Ausreißen".

Aber bei dem Vergleich, den Vellejus Paterculus zwischen des Asprenasund des Caedicius Verhalten anstellt, setzt ein Vergleichspunkt aus: währenddie Verleumdungssucht dem ersteren Unterschlagung VarianischenErbes anzudichten weiß, wird dem Caedicius solche Schmach nicht zur Lastgelegt. Das konnte uns auf den Gedanken führen, daß es wohl in den westlichvon Aliso liegenden Stationen (einschließlich Haltern), nicht aber in derDrususfestung eine Varianische Hinterlassenschaft gab.

Wer waren nun überhaupt die, von denen Vellejus meldet, daß siemiteinander in Aliso (^lisone) von ungeheuren Massen der Germanenbelagert wurden? Wie schon diese Art ihrer Erwähnung kundtut, sind esverschiedene Gattungen, die sich in die Festung geflüchtet haben.Da sind Bogenschützen, welche das Vollwerk wirksam verteidigen, alsowirkliche Soldaten, aber außerdem auch viele Unbewafsnete, vieleüberflüssige Esser, welche die immer mehr auf die Neige gehenden Vorräteverzehren und darum abgeschoben werden: da sind Weiber und Kinder,welche bei jenem Abmarsch aus der Festung in finsterer Nacht durch ihrGeschrei den verfolgenden Germanen das ganze Unternehmen verraten: dasind Hornbläser, die einen Geschwindmarsch anstimmen, um den Scheinzu erwecken, als wenn sie zu der Heeresabteilung gehörten, die Asprenas zumEntsatz der Belagerten diesen entgegengeschickt hatte. Endlich wird uns auchnoch außer dem Lagerpräfekten Caedicius ein PrimipilarCaelius als Befehlshaber des Lagers genannt. Es hat sich also um einenach Aliso geflüchtete Masse von Römern gehandelt, die z. T. sicher aus der