20 Aliso vor der Varusschlacht
züge, von denen ich am 29. Juni 1904 durch Herrn Gutsbesitzer Spielhoffzu Niederaden Kenntnis erhalten habe.
Nachdem so mein Material mir genügend beweiskräftig geworden zusein schien, gab ich am 24. Oktober 1904 dem Archivdirektor Prof. Dr. Rubelin Dortmund von meinen Forschungen, auch von meiner mit diesen ver-knüpften Alisohypothese Kenntnis. Es war die Zeit, wo der verdienteGelehrte gerade sein Lebenswerk: „Die Franken" vollendet hatte. Auchnoch beschäftigt niit dem Forschen nach der bis heute noch nicht entdecktenfränkischen Karlsburg an der Lippe, der sog. urds Euroli, hielt Rübel es fürmöglich, daß es sich bei meiner Entdeckung um diese handle. Diese mir vonAnfang an wenig begründet erscheinende Hypothese, gegen die mir auch dieLage der Oberadener „Burg" 2 llirr östlich der Lippe zu sprechen schien,blieb dennoch nicht ohne Beachtung: denn als ich am 27. April 1905 auf demVerbandstag für Altertumsforschung in Münster einen in der Mergelkuhleauf der „Burg" gefundenen Henkel, den ich auch Rübel gezeigt hatte, vorlegte,lautete das Urteil: „wohl eher fränkisch als römisch". Die Unsicherheit, diedamals noch bei der Feststellung des Charakters dieses keramischen Fund-stückes herrschte, verglichen mit der Bestimmtheit der heutigen Untersuchungs-methode der Archäologen ist aber ein Beweis dafür, wie große Fortschritteauch hier im Laufe fast eines Vierteljahrhunderts gemacht worden sind.Übrigens gab mir Rübel den Rat, mich an den Vorsitzenden der Altertums-kommission für Westfalen, Herrn Prof. Dr. Schuchhardt-Hannover zuwenden. Ich hatte dann jenes Henkelstück nach Hannover gesandt und folgteauch im Laufe der sich entwickelnden Korrespondenz gern der Einladung zuder nach Ostern 1905 anberaumten Tagung in Münster, von der ichschon redete.
Kurz vorher hatte ich auch dem Herrn Geheimen Archivrat Dr. Philipp!einen kurzen Bericht über die „Burg und die Hllnenpädde bei Oberaden"sowie eine Spezialkarte dazu eingereicht. Dieselbe war dann an den Ge-schäftsführer der Altertumskommission, Herrn Prof. Dr. Koepp, weiter-gegangen und hatte an beiden Stellen mitsamt meinem Bericht freundlichsteBeachtung und lebhaftes Interesse gefunden. Auf dem Verbandstag inMünster wurde mir am 27. April 1905 für Juni dess. Is. eine archäologischeUntersuchung in Oberaden zugesagt und geraten, ich möchte inzwischen einenQuerschnitt durch einen der beiden sog. „Hünenpädde" ziehen. Aber diefür Juni 1905 vorgesehene Probegrabung unterbliebleider. So sah ich mich wieder auf mich selbst gestellt, war aber bestrebt,auf meine Weise keramisches Material zu gewinnen und nicht zu ruhen, eheder Boden der „Burg", der doch so viel historische Schätze in seinem Schoßebarg, nochmals einen kleinen Teil herausgäbe, der aber genügen würde, einearchäologische Ausgrabung großen Stiles durch die Fach-wissenschaft zu ermöglichen.
Vorerst aber verbot uns — ich gedenke hier in Dankbarkeit meiner Mit-arbeiter, Hauptlehrer Brinkmann und Lehrer Aleite-Oberaden — der Standdes Getreides, gleich bis zur Hauptfundstelle auf der Burg selbst vorzu-dringen. So gruben wir denn im Mai 1905 zunächst in der südlich der„Burg" gelegenen Elseyer Mark, wo im Walde alte, von Schatzgräbern vorundenklichen Zeiten schon durchwühlte Hügel liegen, die das Volk als Hünen-