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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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2 Einleitung

fassen. Wo ich schlechthin den NamenAli so", der die römerzeitlicheForm des heutigen Elsey oder Elfe darstellt, gebrauche, verstehe ich dar-unter die Drususfestung, die 11 v. Chr. in der germanischen Bauer-schaft Aliso bei Oberaden gegründet wurde.

Mit gutem Bedacht wählte ich auch schon für meine Erstlingsschrifti. I. 1905 den TitelAliso b e i Oberaden" und bedauere nur, daß dieBezeichnung RömerlagerOberaden" hat aufkommen können, ein Name,der zur Zeit der Römer überhaupt nicht die Lagerstätte, im Volke nochim Mittelalter sie nicht bezeichnet hat, ja für die Südspitze des Lagers sogarheute nicht einmal in Frage kommt, denn sie reicht bis in den HofbezirkElsey, südlich der Landstraße Lünen-Kamen, die alte Bauerschaft Elfe,hinein.

Wo ich von Kastellen das sind kleine Lager im Vergleich mitgrößeren rede, meine ich nicht die gewaltige 41 tau Bodenfläche um-fassende Drususfestung, sondern entweder das Lippekastell oder das vondiesem verschiedene Kastell Aliso. Dieses letztere aber kann, wie unsereAusführungen deutlich machen werden, nur östlich von der Drusus-festung angenommen werden, vielleicht in nicht viel geringerem Abstandals der römische Seseke-Körne-Winkel. Wir stehen zugleich mit dieser Auf-fassung des Alisoproblems auf dem Boden unserer Quellen sowohl, wieder Ergebnisse der Spatenforschung.

Die Einwendungen, welche gegen die von mir in Elsey bei Oberadenvor 25 Iahren entdeckte Drususfestung erhoben wurden, sind längst erledigtund von den Gelehrten, die sie zunächst aussprachen, zurückgenommen worden,soweit von diesen der Charakter der Festung als Standlager ange-zweifelt und diese als Marschlager ausgegeben wurde, womit der Anspruchauf Aliso als Drususfestung gefallen wäre. Heute erkennt die ganze Fach-wissenschaft das Lager als St and lag er an

Gefallen ist auch der Einwand, es handle sich bei dem Lager um eineAnlage,von der uns die Überlieferung nichts verrate". Gerade der Ge-lehrte, der diese Ansicht aussprach, erkannte ein Jahr später, daß es sich nurum die Drususfestung 11 v. Chr. handeln könne.

Völlig gegenstandslos geworden ist auch die Einwendung, daß unserLager nur einen Graben habe, es müsse, wenn es Aliso sein wolle,Doppelgräben aufweisen können. Diese Forderung wurde beiseite gestellt,als selbst das Stammlager Vetera auf dem Fürstenberg bei Birten süd-lich Tanten nur einen Graben ans Licht kommen ließ.

Auch hat es sich als irrig herausgestellt, das Osttor des Lagers inElfe als das Haupttor (porku prueloria) auszugeben, nachdem sich unterdem Spaten das Südtor als solches erwiesen hat, was für die Beurteilungder Gründungsverhältnisse des Lagers von höchster Wichtigkeit ist. So

lMitteilungen der Altertumskommission für Westfalen" Bd. V, Jahrg. 1309,S. 393:Daß das neuentdeckte Lager (bei Oberaden) einMarschlager" sei,konnte ich vor drei Jahren noch für wahrscheinlich halten und Schuchhardt fürsicher". Heute wissen wir beide, daß das falsch war. Es ist ein höchst stattlichesStandlager", das vor denen von Haltern sogar recht bemerkenswerte Vorzügehat, und der Beweiskraft der Preinschen Hypothese ist damit ein ganz ansehn-liches Gewicht zugewachsen" (Koepp).