Meteorologische Betrachtungen des Lichts. 285
daß es sehr angenehm sey, in diesen Höhen neben demFeuer sich zu befinden, sobald man im Schatten ist, undder Schatten vermehrt doch nicht den Druck der Luft.
§. ?Y8.
Da ich die Bergbewohner selbst, durch ihr eignesGefühl, diese unerträgliche Hitze bezeugen sahe, welchedie Herrn von Saufsnre und BoM'Nt ausstanden; somuß ich dies Phänomen von denjenigen unterscheiden,welchen Herr von Saussure einerley Ursache zuschreibt,nämlich: „die Schnelligkeit mit der sich die Kräfte er-schöpfen und ersetzen, das Schlagen der Arterien undeinige andre Empfindungen, welche verschiedene Leutein der verdünnten Luft fühlen." In der That sinddiese Gefühle nicht allen, welche hohe Gebirge besuchen,gemein, und die Bergbewohner z. B. welche man hierWärine leiden sieht, empfinden sie nicht: dieses ist ih-nen aber nicht besonders eigen; denn bey Gelegenheiteiner Reise auf den Bunt, beschrieben die Herrn vonSaussure und Bsurrit diese schmerzhaften Wirkun-gen, und mein Bruder und ich waren schon zweymaldaselbst gewesen, ohne etwas ahnliches empfunden zuhaben. Diese Wirkungen der verdünnten Luft hängenalso von der Verschiedenheit der Leibesbeschaffenheit ab;und um davon einen mir am besten bekannten Beweiszu geben, will ich anführen, daß mein Bruder, einermeiner Vettern, einer meiner Söhne und ich, stattobenauf den Gebirgen dergleichen zu empfinden, vielmehr alleunsre Verrichtungen und insbesondre das Gehen immerleichter, sogar angenehmer fanden, je mehr wir uns er-hoben. Diesem schreibe ich vorzüglich den unwidersteh-lichen Reiz zu, welchen für die Gemsenjager dieses demAnschein nach so mühsame Leben hat; denn sie werdendazu durch kein andres sinnliches Vergnügen bewogen,
und