Druckschrift 
Das verborgene Leben mit Christo in Gott : aus den Schriften Johann von Bernieres-Louvigni gesammelt ... [v. G. Tst]
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

IÄ3

und hält sie zurück, weil Er keine bereitete lindempfängliche Herzen findet, die sich rechtab todten.

5. Zum vollkommenen Eins seyn mitGott, kommt umn nur durch vollkommene Ent-blößung von den Kreaturen. Deßwegen mußman viel beten, und absterben allen Nei-gungen, und alle Augenblicke sich verläugncn.Gebet und Abtödtung, oder Selbstverläugnungsind zwei unzertrennliche Schwestern; so wie duEine derselben verläßest, so verläßt dich auch dieAndere, sobald Eine verloren geht, so kostetes auch der Andern das Leben. Man kann inder Gnade nicht leben ohne beständiges Sterben.Wenn aber Gott abtödtet, so ist die Seelebald todt, Er giebt tüchtige Schläge, die zwarFreundcsschläge sind, aber doch die Eitergeschwüreausreisten, die wir noch nicht k'cnnem WennGott mit uns ans Werk geht, stirbt die Seelemehr an einem Tage, als durch ihre sonst ge-wöhnlichen Abtödtnngcn in zehn Iahren. Be-klage dich nicht über diese liebe Hand, die dichtödtet, sonder» bete an, und schäme dich nurdeiner Untreue.

6. Gott, der seine milde Hand mitSegen aufthut, und sättiget alles,was da lebt, mit Wohlgefallen, (Ps.k i i, 15.) erweckt oft einen Hunger in der Seele,den Er dann auch sättiget, indem er sich der-selben mittheilt, daß sie sich voll Gottes findet,die Fülle Gottes erfährt und schmecket, und miteiner großen Freude überschüttet wird. Sollman sich auch wundern, daß der allgcnugsameGott ein Herz überflüssig vergnügen und besc-