176
Daß ein Fürst, der, wie Orleans indem Genusse der wollüstigen Vergnügungenso schrecklich ausschweifte, keine eigentlicheLiebe für das schöne Geschlecht empfindenkonnte, das versteht sich von selbst. Daherwar es ihm auch sehr gleichgültig, wennseine Maitressen, deren überdicß sehr vielewaren, noch andre Liebhaber hatten. SeinBeyspiel war natürlich höchst verführerisch.Da selbst zwey von seinen Töchtern vonseinen blutschänderischen Augriffen nicht vcr,schont blieben; da die Prinzessinnen Bcrryund Valois zu den bekannten Werkzeugenseiner Wollust gehörten; da die Berry ihreLiebhaber eben so oft, als ihr Vater seineMaitrcssen, wechselte; da die Acbrissin deChelles, die talentvollste Tochter des Regen-teil, auch unter den Jungfrauen ihres Klo-sters Geliebte hatte, so mußten nur wenigeHerren und Damen des Hofes von dem ab,scheulichcn Sittcnvcrdcrbuisse unaugestccktbleiben. Eins verführte das andre. Vonder Acbtissin de Chelles lernte ihre Schwe-ster, die Gemahlin Ludwigs I, des Nach-folgers Philipps V, aus den schönsten Da-men des Hofes ein weibliches Serail sich
bilden.