Sittsamkeit gieng so weit> daß er sogar dieKüsse verboth, mir weichn, man einanderjtt begrüßen pflegte. Die Einkünfte derStaatskasse durch neue Auflagen zu vermeh-ren, schien er so wenig geneigt, daß er dieVorschlage, die ihm schmeichlerische Statt-halter deswegen thaten, mit Verachtung zu-rückwies. Dennoch sparte er keine Summen,wenn er sie zum Besten des Staates anwen-den konnte; dennoch gab es fast kein öffent-liches Gebäude, das er nicht entweder aus-besserte, oder verschönerte; dennoch unterstützteer eben so freygebig arme Städte, als armePersonen.
Der für das Wohl der Unterthanen, fürdie Reinheit der Sitten so emsig besorgteTiberius verwandelte sich aber schon nacheinigen Zahren in einen der unbarmherzig-sten, mit der blutdürstigsten Willkührlichkeitregierenden Tyrannen , der über das römi-sche Menschengeschlecht mannigfaltiges Elendund Unglück brachte. Diese Veränderungstcng sich vornehmlich von dem Zeitpunkte an,wo der Tod des Gcrmanicus den Tiber vv»der Nothwendigkeit befteyte, den guten Ne-Dd 2 gcnren