keit empfangt, welche Alles zu einem untrennbarenGanzen verbindet; wo auch in der Thräne eineLust, in der Sorge etwas Liebes, im Borwurf et-was Theures liegt. Ich lernte an diesem Abendverstehen, der Mensch sey nicht zum einsiedlerischenWesen, zum Nomaden- und Mönchthum, sondernzum geselligen Daseyn geboren, und eine Familien-chronik wiege wohl eine Weltgeschichte, ein Haus mitGärtchcn und Acker und ein Herz, das wir ganzdas unsere nennen dürfen, ein kniecndes, Weihrauchopferndes Bolk auf.
Wer ist machtiger als das Schicksal? — DerMensch. — Der Mensch und das Schicksal ste-hen in ewigem Kampfe. Wahr ist's, der Menschkann nie das Schicksal überwältigen und lenken; nieaber auch kann das Schicksal den starken Geist desSterblichen überwinden. Das Schicksal spielt nurmit der Außenwelt und kann nicht über den festenKreis des Irdischen hinaus, in das es eingcbanntist. Der Mensch, als Geist, ist Herr in seinem gei-stigen Reich, und da unantastbar, wenn er es seynwill. Es kann dem Sterblichen das Leben, abernie seine Ueberzeugungen rauben; es kann ihm Goldund Gut nehmen, aber nie seine Zufriedenheit mitsich selbst, sein inneres Glück; es kann ihn mit öf-fentlicher Schande bedecken, daß ihn alle Lebensge-nossen verachten, aber er wird mit Bewußtseyn, undeins mit seinem Gott, stolz zum Spiele der soge-nannten Ungefähre lächeln, er, der den hohenGeist, ob unter Gold oder Stroh, und das freieHerz, ob unter Seiden oder Zwillich, schlechterdingsnicht mit den Fesseln irgend einer Leidenschaft anIrdisches ketten läßt.