Verhandlungen hielt man sehr geheim. Außer dem Oberpräsidentenvan Dunkelmann wußte mahl nur der brandenbnrgische Gesandte inWien darum.
Die mannigfachen andern Händel, die Friedrich III. damals mitOesterreich hatte (das Testament seines Vaters, Schwielms, Jägern-darf und die andern Fürstenthümer), verhinderten, daß die Angelegen-heit mit Eiser und zu Gunsten Friedrichs betrieben werden konnte.Erst 1698, als einige andere Verwicklungen glücklich gelöst waren,wurde sie van Neuem aufgenommen und nach Möglichkeit beschleunigt.
Um diese Zeit war auch Kurfürst August van Sachsen auf dendurch den Tod des Königs Johann Sabieskn erledigten polnischenThron gelangt. Dieser dem Kurfürsten Friedrich befreundete Fürsterklärte sich trotz der polnischen Großen mit dessen Plan völlig ein-verstanden. Sogar sein Beichtvater, der Jesuit Vota, wollte Fried-rich III. znr Erlangung der Königswürde behilflich sein.
Er schlug dem Kurfürsten zwei Dinge vor: Erstlich sollte sichdieser nicht „König von Preußen", sondern nach dem Bolksstamm, deranfänglich im Lande gewohnt, entweder „König der Vandaten" oder„König der Wenden" nennen; und zweitens sollte er die königlicheWürde nicht vom Kaiser, sondern vom Papste fordern.
Durch den ersten Vorschlag wollte der schlaue Jesuit den neuenKönig mit Schweden und Dänemark eptzweien und des polnischenSchutzes bedürftig machen; den polnischen Großen wollte er aber dieDemüthigung ersparen, daß ein früherer Theil ihres Königreichs denNamen zu einer selbstständigen souveränen Monarchie hergäbe.
Der andere Vorschlag lag ihm noch weit mehr am Herzen; denner konnte mit Sicherheit voraussehen, daß der Papst einen protestan-tischen Fürsten nicht zum Könige erheben würde, bevor dieser nichtkatholisch geworden.
Dies war aber der Grund, weshalb Friedrich nicht einen Augen-blick daran dachte, auf die Vorschläge des Paters einzugehen.
Schon dem Großen Kurfürsten war die polnische Krone angebotenworden, doch schlug er sie ohne Besinnen ans, weil er deshalb katho-lisch hätte werden müssen.