Familien-Chronik.
Dem Beschlüsse des Familientages vom 29. September 1873gemäss werden hiermit die folgenden Geschlechtstafeln den Gliederndes Familienverbandes übergeben. Sie umfassen die Nachkommen desJohann Daniel Delius, Amtmanns auf Berenkämpen bei Vlotho, denwestfälischen Zweig des Geschlechtes Delius, und lassen sich bis zudem Genannten hinauf urkundlich belegen.
Weiter rückwärts lässt sich denselben leider nur Weniges undUnsicheres aus der Familientradition beifügen.
Derselben zufolge soll ein Geschlecht des Namens „von Delen“im 11. oder 14. Jahrhundert vom Niederrhein nach Siebenbürgen, vondort zur Zeit der Hussitenkriege nach Nieder-Oestreich und wiedervon hier zur Zeit der Reformation 3 Brüder von Delen, um ihrenevangelischen Glauben nicht zu verleugnen, nach Norddeutschlandgezogen sein.
Einer dieser 3 Brüder soll der an der Spitze der sächsischenStammtafel stehende Lucas van Delen, Nobilis Holsatiae Dr. med.und fürstlich mecklenburgischer Leihmedicus gewesen sein, als dessenSohn und Enkel dort ein Jacobus Delius, fürstlich mecklenburgischerLeibchyrurgus zu Schwerin, und Johannes Delius, Pastor zu Crottorf(1548—1625) genannt werden. Als ältester Sohn des Letzten nebeneinem Jacobus Delius, Pastor zu Halberstadt, geboren 1582, findetsich ein Delius ohne Vornamen und Geburtsdatum, welcher möglicher-weise der an der Spitze der westfälischen Stammtafel stehendeDehlius, Pastor zu Kleinenbremen, sein könnte. Ob dies jedoch derFall ist, ob er von einem andern Bruder des Lucas van Delen sichherleitet, wird sich, nachdem im Pfarrhausbrande zu Kleinenbremenalle älteren Familiennachrichten vernichtet sind, nicht mehr klarstellenlassen. Soviel steht indess fest, das sämmtliche bekanntgewordene Delius entweder dem sächsischen von JacobusD el ius hergelei te ten oder dem üb erKleinenbre men führ endenwestfälischen Zweige angehören.
Zur leichteren Orientirung in den nachfolgenden Stammtafelnmöchten noch einige Bemerkungen erwünscht sein.
Die einzelnen Linien des westfälischen Zweiges haben sämmtlichden Johann Daniel Delius, Amtmann auf Berenkämpen im Kirch-spiel Valdorf, zum gemeinsamen Stammvater. Von seinen 10 Söhnensollen 8 Familienväter gewesen sein. Unter ihnen fehlen uns über 2:„Hermann Christian“ und „Friedrich Adolf 1 , nähere Nachrichten. Die iGeschlechter Johann Heinrichs, Ernst Ludwigs und CarlAlbrechts sind das erste mit dem Stammvater selber, das zweite 1849,das dritte 1870 im Mannesstamme erloschen, während von den übrigen3 eine mehr oder minder zahlreiche Nachkommenschaft noch imLeben ist.
Johann Daniel Delius (Tafel I) verwaltete bis zu seinemTode unter dem Drosten zu Vlotho die damalige Vogtei Wehrendorf,welche das Kirchspiel Valdorf umschloss. Sein ältester Sohn JohannHeinrich folgte ihm in diesem Amte, bis er nach dessen Aufhebung1723 die Pachtung Schlüsselburg übernahm. Er starb ohne männlicheNachkommen zu hinterlassen.
Friedrich, der zweite Sohn Johann Daniels (Tafel II), gelangtedurch Heirath in den Besitz des Hofes Nro. 1 zu Valdorf, welcher alsMeierhof zu Sütmersen bereits unter den ältesten Besitzungen des 987gestifteten Klosters Möllenbeck aufgeführt wird. Von ihm stammensowohl die Valdorfer bäuerlichen Delius (Tafel IV u. V), wie die zuBremen und Fiestel resp. Ilhaden ab. Nach Bremen zog als der ersteArnold, Enkel des Meier zu Südmersen uud Sohn des KöniglichenLeggeinspectors und Kriegscommissars Adolf zu Vlotho (Tafel II). Indas dort von ihm gegründete Geschäft nahm derselbe später auch seine3 Neffen, die Söhne des Pastors zu Dissen, Adolf, (Tafel III) auf, unterderen Leitung es zu einem der ersten überseeischen Häuser Bremensin der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts erblühte. Ein HalbbruderArnold’s, Heinrich, Artz und Badebesitzer zu Fiestel, ist der Ahnherrder dortigen Delius (Tafel II).
Johann Kaspar, der dritte Sohn Johann Daniels (Tafel VI),wurde Kaufmann zu Bielefeld, und seine noch jetzt zu Bielefeld zahl-reich angesessenen, fast ausschliesslich dem Kaufmannsstande ange-hörigen Nachkommen haben dem Namen Delius in der kaufmännischenund industriellen Welt weithin einen ehrenvollen Klang erworbenWährend in Bielefeld vornehmlich Name und Stamm Ernst August’sund seiner Söhne (Tafel VII) fortlebt, haben sich andere Glieder diesesZweiges in Malaga (Tafel VII), Newyork, Manchester, Bradford(Tafel VI) und Aachen (Tafel VIII) etablirt, dagegen die rechtsgelehrtenNachkommen des Kamerarius Ernst Friedrichzu Bielefeld (Tafel VIII)in Ratibor, Sagan und Frankenstein sowie bez. in Salzkotten (Tafel V ITT )eine neue Heimat gefunden.
Ueber die Nachkommen Hermann Christian’s, Platzmajor inMagdeburg, und Friedrich Adolfs, Feldwebel zu Potsdam, des 4.u. 5. Sohnes von Johann Daniel, ist Näheres nicht bekannt.
Dagegen tritt Daniel Konrad (Tafel IX), der Ahnherr desVersmolder Zweiges, mit um so zahlreicherer Nachkommenschaft hervor.Er selbst sowie seine Söhne und Enkel bekleideten eine Zeit lang infast ununterbrochener Reihenfolge die ersten Communalämter derStadt Versmold; die Nachkommen seiner älteren Söhne Anton(Tafel IX) und Albrecht (Tafel X) sind mit sehr wenigen Ausnahmen(Theodor Appellationsgerichtsrath in Paderborn und ReinholdKreisgerichtsrath zu Minden, Tafel IX) dem kaufmännischen Berufund ihrer Vaterstadt Versmold getreu geblieben und haben sich erstin den letzten Jahrzehnten nach Durango (Tafel IX u, X), Hamburg(Tafel X) und Düsseldorf (Tafel IX) verbreitet. Unter den Nach-kommen seiner jüngeren Söhne Karl Ludwig (Tafel XI), des letztenSuperintendenten der Grafschaft Ravensberg, und Conrad Wilhelm(Tafel XII), Commissionsrathes auf Reineberg, findet sich hingegen einenicht geringe Zahl hervorragender höherer preussischer Verwaltungs-und Justizbeamter zu Arnsberg, Münster, Bielefeld, Berlin (Tafel XI),sowie zu Köln, Münster, Engers, Mayen, Coblenz, Duisburg (Tafel XII),zu Münster (Tafel XIII und XV), Posen (Tafel XV). Nur 2 unterden Nachkommen Konrad Wilhelm’s haben sich dem Militairstande(Tafel XIII u. XV), verhältnissmässig wenige dem Kaufmannsstandegewidmet. Die letzteren haben die Familie nach Rheims (Tafel XIV),nach Newyork (Tafel XII), und Carl Ludwigs Enkel sie nach Man-i ehester und Bradford (Tafel XI) verpflanzt.
Ernst Ludwig (Tafel XVI), der siebente Sohn Johann Daniels,ist der Ahnherr des im Jahre 1770 geadelten Geschlechtes von Deliusgeworden, welches, nachdem seine. Glieder dem Könige in der Armeemit Auszeichnung gedient haben, mit dem Heldentode des am 23. Mai1849 bei Fredericia gefallenen Generalstabs-Chefs der Schleswig-Hol-steinschen Armee, Hauptmann Carl von Delius, im Mannesstammeerloschen und weiblicherseits noch in der Gemahlin des Generals Baronvon Renz und dessen Nachkommen (Schlesien) fortlebt. Das dieser Linieverliehene Wappen ist dem Stammbaume vorgeheftet und dürfte sich inbürgerlicher Formals allen Delius gemeinsames Siegelzeichen empfehlen.Dieselbe Auszeichnung der Erhebung in den Adelstand ist übrigens aufsNeue der Familie des im Jahre 1861 gestorbenen Regierungspräsidentenzu Coblenz (Fafel XII) verliehen worden.
Karl Albrecht (Tafel XVII), der jüngstgeborne Sohn JohannDaniels, königlicher Beamter zu Vlotho, verlor seinen ältesten Sohn beiHochkirch, die beiden folgenden zogen, Sime o n als Apotheker, W ilh elmals Pastor, nach Versmold. Auch diese Linie ist 1870| im Mannes-stamme erloschen, nur weiblicherseits noch in Burgsteinfurt ansässig.
Schon diese kurze Uebersicht ergibt die grosse Zahl und weite Ver-breitung der Familienglieder, welche die Beschränkung der Geschlechts-tafeln auf die eigentlichen Träger des Namens Delius, nämlich auf dieNachkommen der männlichen Familienglieder zur unbedingten Nothwen-digkeit machten. Nur den langjährigen Bemühungen des sei. Herrn RudolfDelius zu Bielefeld u. des sei. Generalconsuls Louis Delius zu Bremensowie schliesslich des Herrn Gottfried Delius zu Bielefeld und des durch