Lustgefühl des Besitzes eine rechte Achtung vor ehrenfesten und an-gesessenen Geschlechtern, deren ein Glied sich an das andere reiht,aufnehmend oder aufgenommen; die Persönlichkeit, ihr Handeln, ihrEinfluß und ihre Bedeutung in dem geschichtlichen Weben tritt in einhelleres Licht. Wir sehen in ebenmäßigem Zuge eine bleibende Eigenartragender Geschlechter auch im Wechsel; ein Etwas, welches sich selbstdurch minder bedeutende Geschlechtsreihen (Generationen) über Er-warten erhält und wieder und weiter schafft; ja wir getrosten unsdaraus einer gewissen Beständigkeit, eines vorhandenen Halts auchin anderen weniger bekannten und verfolgbaren, also uns unsicherernGeschlechterkreisen. Und wir bemerken, daß bei den bewußt undgewollt engen Grenzen gestatteter Familienverbindungen, zumal höchst-gestellter Stämme, über deren ebenmäßige Jnnehaltung wir staunendürfen, deren Gebote nur selten einmal Bluteswallung selbstwilligbricht, diese Geschlechter doch durch eine Reihe von Jahrhundertenansehnlich blühen. Mit im Ganzen sicherer Kraft verfolgen sie dieFamilienziele und pflegen sie die Familien- und Staatsüberlieferungenweiter, in den Geleisen sich bewegend, welche die Arbeit, das Geschickund die Geschichte der Vorfahren traciert haben.
Es verbindet die genealogische Betrachtung uns mit unsern Vor-fahren, den Ahnen; der Ahnenkultus ist sicher dasjenige älteste,zuerst einfachste und dann in die verschiedensten Formen der Verehrungauseinander strahlende Verhältnis zwischen den Nachlebenden undihren Altvorderen, welches allmählich zu einer genaueren Auffassungund Betrachtung hingeführt und zu jenen mehr oder minder will-kürlich oder kunstvoll zusammengeholten oder sorgfältig ausgeführtenAufstellungen von Ahnenreihen geleitet hat, welche wir im allgemeinenmit dem Namen genealogische Tafeln zu bezeichnen pflegen.
Der Erinnerung an die Ahnen wird in der Kindheitszeit derVölker, bei den Vorfahren der heutigen Kulturmenschen vor Jahr-tausenden, wie bei vielen Völkerschaften, so der kalten Zone und früherstarrten noch jetzt, kaum Liebe oder Pietät zu Grunde liegen.Größe des Leibes und Stärke, mannhafte Thaten und was wirGrausamkeit nennen, wird die Nachkommen solcher Recken mit furcht-voller Bewunderung erfüllt haben. Ein gewisser Neid ergreift die fernerStehenden und bringt die Nachkömmlinge jener zu einer Art Be-wußtsein ihres ererbten Wertes, und sie bemühen sich vielleicht, es