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Anlage 44. «Seite 222.)
Mein theurer innigstgeliebter Vetter Gustav!
Wenn es im Leben Momente giebt, denen der Mensch bei allerVorsicht und Bedachtsamkeit nicht auszuweichen im Stande ist, die unfernVerhältnissen oft ganz andere Richtungen geben, unsre wohl erwägienLieblings-Pläne —- gleich Seifenblasen — zerstören, so muß der Sterbliche,und er sei der größte Atheist, es eingestehen, daß eine unsichtbare Hand imSpiele waltet, das Schiff des verworrenen Lebens, nur nach den höchstweisen Absichten — lenkt! Unser aller Ziel, den Hafen der Ruhe zu ge-winnen, — müssen erst Sturm und Mißgeschick des Lebens vorangehen,bevor wir den Ort, wo Ehre, Rang und Gold nur Flittersachen sind,erreichen, der uns dann für die Unvollkommenheit des irdischen Daseinsschadlos hält! Nur Jenseits erst ist Ruhe, nur dort wird der wahreMensch, der Bruder seiner leidenden Brüder, sich freuen des Glücks, dasihm partheilos, als Biedermann, wahr und Wahrhaftig zu Theil wird. —Bei solchen Gesinnungen halte ich das Ziel unsrer Tage — in Vergleichungder zu erwartenden Vollkommenheit - ^ für den Vollendeten keineswegsals unglücklich; aber desto schmerzhafter für die Zurückbleibenden, die indem Entseelten, den treuen väterlichen Freund, Ernährer, und ersten Wohl-thäter nächst Gott verloren, der ihr Führer auf dieser Pilgerreise nochhätte sein können! — Gott möge Ihnen, mein theurer Vetter, Kraft undStärke verleihen, Ihren großen Verlust zu ertragen, — den ich mit Ihnenausrichtigst theile, — da ich stets eingedenk des Gcmüths des nun Ver-klärten, ihm ungeheuchelt ergeben war.
Sein Geist, befreit von der Bürde dieses Lebens, wird für seinelieben Kinder, vor Gottes Thron, um Trost und Erhaltung flehen, undnicht ungehört bitten. Gott ist ein Vater der Waisen, er wird sich Ihrerauch annehmen. Vor einigen Tagen, durch eine bedeutende Aergerniß <inFolge der Vermögensverhältnisse meiner Frau, welche ich zu verlieren aufdem Punkte stehe) an der linken Seite gelähmt; erhielt ich Ihren Brief,und die mich neuerdinas niederbeugende Nachricht, von dem Ableben desedelsten der Väter. Urtheilen Sie daher selbst, von der Sensation, diesolche auf mich gemacht hat! — ich habe seinem Andenken Thränen derreinsten Liebe gezollt, und werde ich ihn nie, nie vergessen. — DiesenWinter hatte ich mir vorgenommen, nach Königsberg zu kommen, undmeinen alten Vetter an mein treu ihm ergebenes Herz zu drücken. Ach esdieser Wunsch sollte mir nicht zu Theil werden! ich soll nur den Hügel