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Anlage 29. (Seite 94.)
Königsberg, den 4. Mai 1876.
Geliebter Bruderl
Gestern beim Abschiede war ich zu sehr bewegt, und habe ich inmeiner schmerzvollen Aufregung vergessen. Dir ein altes Familienstück alsAndenken zu übergeben. Anbei sende ich Dir dasselbe, bestehend aus einerKristalltheeflasche mit hermetischem Verschluß; dieselbe stammt aus sehralter Zeit. Als junges Mädchen erhielt ich sie von meiner lieben Groß-mama, der Gräfin Jenoff. Viele, viele Jahre habe ich diese Theeflascheim Gebrauch gehabt und hat sich dieselbe zur Aufbewahrung des Theesvorzüglich bewährt. Damit dieses alte werthvolle Familien-Andenken nachmeinem Tode nicht in fremde Hände gelange, bitte ich Dich, dasselbe vonmir anzunehmen. — Der gestrige Abschied von Dir ist mir wahrhaft sehrschwer gefallen. Daß Du von hier weggehst, betrübt mich tief. MacheDir aber keine Sorgen über meinen leidenden Zustand. Ein köstlichesGut hat mir Gott beschieden, den Frieden der Seele und das mich be-glückende Bewußtsein, daß ich seine Wege gewandelt bin. Bald werde icham Ziele sein und dann ausruhen von der langen Pilgerfahrt und siewiederfinden, die hienieden ich geliebt habe und deren Andenken michtröstend und stärkend durch das Leben geleitet hat.
So lebe denn Wohl, mein guter Bruder! Gott sei mit Dir!!
In innigster Liebe
Deine alte treue Schwester
Marianne.
kl. 8. Grüße bestens die gute Pauline.
An
Herrn Oberst K. v. Hofehier.