— 240 —
die Furcht uud die Liebe, doch so, daß die letztere die erstere stetsüberwog, Patriarch und Autokrat zugleich, kannte er nur das Be-fehlen und Gehorchen. Subordination galt ihm als der Grundpfeileraller menschlichen Ordnung. Neben seiner pflichttreuen Hingabe anseinen Beruf besaß er einen königstrenen Sinn und ein warmes Herzfür die Größe und Macht seines Vaterlandes. In vermögender Lagelebend, galt er als ein guter Haushalter, der aber den Geiz nichtkannte. Sein Haus erwies sich als die Stätte der edelsten Gast-freundschaft, und seine Mildthätigkeit für Arme und Nothleidende kanntekeine Grenzen.
Mit seiner Gattin, die ihn mit 13 Kindern beschenkte, lebte erbis zu seinem Tode in glücklicher Ehe. Eine besondere Sorgfalt ver-wendeten Beide ans die Erziehung ihrer Kinder, die eine vorzüglicheAusbildung nach jeder Richtung hin erhielten. (Siehe unten.) Wasdie Führung seines Namens anlangt, so nannte er sich ebenfalls nurKalau, ohne aber auf den Beinamen vom Hofe zu verzichten.-) An-fangs März des Jahres 1848 erkrankte Ernst Ludwig; man gab sichindeß der Hoffnung hin, daß ein ernstes Leiden nicht zu befürchtensei und seine Wiederherstellung bald erfolgen werde. Sein Leidenverschlimmerte sich jedoch in bedenklicher Weise, als ihm die im März zuBerlin vorgefallenen Ereignisse mitgetheilt wurden. Bei seinem Cha-rakter, seinem Temperament, seinem soldatischen Sinn und seiner un-begrenzten Liebe und Verehrung für den König war es auch natür-lich, daß jene politischen Stürme, durch welche das Ansehen desselben,wie er sich ausdrückte, „besudelt" worden, auf seinen Gemüthszustandeinen sehr nachtheiligen Einfluß ausübten. Seit jenen unglücklichenMärztagen war sein Geist und Herz gebrochen. Den Schmerz überdie Dcmüthigung seines von ihm so hoch verehrten Monarchen konnteer nicht überwinden.'^) Uebermannt von jenen Ereignissen und tief
In seinen nachgelassenen Familiennachrichten hat Verfasser die nach-stehende Angabe gefunden: „Ernst Ludwig, geb. 7. Juli 1785, Superintendentund Pfarrer in Kattenau, zeichnet der Kürze wegen stets „Kalau", wo es indessengilt ein Recht zu wahren, „vom Hofe".
**) Das wohlgelungene Bild des Königs, welches er besaß, umhüllte er.mit schwarzem Flor.