25. Februar 1839. Johann Albert gehörte der Kavallerie mit Leibund Seele an und galt seinerzeit als ein vorzüglicher Reiter unterden Offizieren des Regiments. Geliebt und geachtet von allen seinenKameraden, denen er ein treuer, liebenswürdiger Gefährte und dasnachahmungswerthe Vorbild eines tüchtigen Kavallerieoffiziers war,starb er unvermählt in der Blüthe seiner Jahre am 1. April 1841 *)3) Hermann, geboren am 11. Mai 1318 zu Memel, auf demGymnasium zu Königsberg vorgebildet, sollte nach dem Willen seinesVaters den Soldatenstand zu seinem Beruf erwählen. Er fühltejedoch keine besondere Neigung hierzu und widmete sich, nachdem erdie Sekunda absolvirt, der Landwirthschaft. Die Wahl dieses Berufeshatte namentlich sein Onkel, der Stiefbruder seiner Mutter, Lieutenanta. D. und Rittergutsbesitzer auf Kischkcn-Garge, von Gohr, bewirkt.*")Zu diesem kam Hermann, 18 Jahre alt, in die landwirthschaftlicheLehre und verblieb dort vier Jahre. Der Onkel, ein gediegener,praktischer Landwirth, verstand es vortrefflich, den Neffen zu seinemBeruf heranzubilden. Hermann, von Hause aus militärisch erzogen,an Gehorsam, Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnt, hatte seinerMilitärpflicht als Einjährig-Freiwilliger beim Litthauischen Dragouer-
*) Der Verstorbene war mein treuer, lieber Jugendgenosse, mit dem ichim Jahre 1841 als junger Lieutenant das erste Feldmanöver in der Nähe vonFriedland mitgemacht habe. Noch heute erinnere ich mich mit dankerfülltemHerzen der liebevollen Fürsorge und Theilnahme, welche der Verstorbene mir beieinem nächtlichen Ritte vom Bivouak nach dem Cantonnements-Quartier hat zuTheil werden lassen. Beim Setzen über einen Graben stürzte ich in der Dunkel-heit mit meinem Pferde und trug eine Verstauchung des linken Fußes davon.Die Verletzung war der Art, daß ich weder auftreten noch das mir von ihm dar-gebotene Pferd (das mctnige war davongelaufen) besteigen konnte. In dieserhilflosen Lage wollte er mich nicht allein an der Unglücksstätte zurücklassen? er be-kundete seine kameradschaftliche Theilnahme vielmehr dadurch, daß er von seinemPferde stieg und mich auf seinem Rücken (sein Pferd am Zügel führend) nach demV» Meile entfernten Ottenhngen trug. Wahrlich eine Handlungsweise, welche dieFreundschaft, den ritterlichen Sinn und die vortreffliche Herzensanlage des Heim-gegangenen bekundet.
**) Nach eigener Angabe Hermanns zum Verfasser: „von Gohr war derStiefbruder meiner Mutter. Meine Großmutter mütterlicherseits, eine geboreneMeerscheidt von Hüllcssem, war in erster Ehe mit v. Gohr, in zweiter Ehe mitRhentus vermählt. Nach dem Tode meines Onkels v. Gohr fiel Kischken-Gargcdurch Erbschaft an meine Mutter."