— 161 —
mit rücksichtsloser Strenge, Ueber den Beginn der Untersuchung schreibtRittmeister v. Hoven!
„Da ich bey Herrn Oberstlieutenants v, Usedom Esquadron indem Cantonnements-Quartier Gr. Kolpacken stand, erhielt ich in derNacht vom 15. bis 16. April eine Ordre vom Herrn General, daßich von dieser Esquadron zu der des Herrn Oberstlieutenants v. Owstiennach dem Dorfe Wilkischken versetzt wäre.*) Ich ritt also des folgen-den Tages dahin; des Nachmittags kam der Adjutant zu mir undforderte meinen Säbel, und da ich nach der Ursache fragte, erhielt ichzur Antwort, daß der Herr General hier sei und solchen verlangte.Ich gab also solchen hin, und nach etwa einer halben Stunde kamder Adjutant wieder und rief mich zum Herrn General, welcher alleStabsoffiziere und, was noch mehr, eben meinen Verleumder, denRittmeister v. Malachowskp, bey sich hatte. Hier wurde ich nungleich vom Hrn. General gefragt, warum ich es zugegeben, daß dieHusaren die Pferde in der Ukraine genommen, worauf ich antwortete,„daß ich den Vorfall über die zugelaufenen Pferde sogleich dem Hrn.Major Halletius gemeldet, ohnerachtet daß solches auch bei demTransport des Hrn. Major Halletius vorgekommen sei und ich keinenTheil noch Nutzen davon gehabt habe. Auf die Frage, weshalb ichmir harte Worte vom dem Capitain v. Manstein habe sagen lassenund dazu still geschwiegen, erwiderte ich, daß ich den von Mansteinschon in der Gefangenschaft habe kennen gelernt und seit jener Zeitmit ihm auf's freundschaftlichste stets gelebt habe. Seine Worte habeich nur als solche im Scherze gesprochen, angesehen, v. Malachowskybestreitet meine Angabe, worüber ich in solche Wuth verfiel, die zurThätlichkeit gegen meinen Verleumder übergegangen wäre, wenn michnicht die Hochachtung gegen den Herrn General und die übrigenStabsoffiziere davon abgehalten hätte. Der Herr General ertheiltemir hierauf die bittere Antwort, daß mir alles nichts helfen könnte; —ich sollte nur nach meinem Quartier gehen, woselbst mir eine Schild-wacht in die Stube gesetzt und Dinte und Feder abgefordert wurde.
*) Rittmeister v. H. macht in seinem Tagebuch die Andeutung, daß ihni dieOrdre deshalb in der Nacht gebracht wurde, um ihm Zeit zur Desertion zu lassen.II. II