Genesung. Auf dem Gute seiner Mutter verblieb er bis zu seinerAnstellung und hatte während dieser Zeit öfter Gelegenheit, in derbenachbarten Kirche zu Kattenau in Gegenwart und zur Freude seinerMutter zu predigen.*) Im Jahre 1718 erhielt er die Vokation zumPfarrer der neufundirten Kirche zu Jodlauken, woselbst er bis zumJahre 1722 verblieb.
Fabian ist als der erste Nachkomme aus der Familie Kalau vomHofe, der sich dem geistlichen Beruf geweiht hat, zu verzeichnen.
In die Zeit seiner Anstellung als Pfarrer der Kirche zu Jod-lauken fällt auch seine Verheirathung, die er im 3V. Lebensjahre mitDorothea, einer Tochter des Diakon und späteren SuperintendentenHeinrich Safft, zu Memel 1719 vollzog. Im Jahre 1722 erhielter die Pfarrstelle zu Werden. Hierselbst hat er 25 Jahre zum Wohleseiner Gemeinde gewirkt und sich die Liebe und Achtung derselbenerworben. — Sein Sohn Bernhard Gottlieb Fabian giebt in seinemTagebuche eine kurze Charakterschilderung über seinen Vater. Nachdieser Charakteristik gehörte Fabian zu den aufgeklärten, rednerischbegabten Theologen seiner Zeit. Das Urtheil des Sohnes über denVater lautet!*)
„Mein seliger Vater, für den mein Herz mit Liebe und Ver-ehrung bis zu seiner letzten Stunde schlagen wird, war seiner äußerenErscheinung nach ein Weltmann, seinem inneren Wesen nach ein Geist-licher, der mehr Philosoph als Theolog war. Begabt mit HellemGeiste und vielem Wissen, war er ein vollendeter Kanzelredner. Mitden theologischen Ansichten meines Vaters stimmten seine Schwieger-söhne nicht überein, was aber zu keinem Hader führte. Zuweilendisputirten diese in späteren Jahren mit meinem Vater, der aber stetsmit philosophischer Ueberzeugung seine Ansichten zu begründen suchte.Von Herzen war mein seliger Vater ein braver, rechtschaffener Mann,ein zärtlicher Ehegatte, ein fürsorgender Hausvater, ein treuer Seel-sorger für seine Gemeinde. Von aufwallendem, heftigem Temperament,berührte ihn jeder Widerspruch unangenehm, doch besaß er eine solchegeistige Ueberlegenheit, daß er in den meisten Fällen der Gebietende
*) Wörtlich aus Bernhards Tagebuch entnommen.