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Besuchenden in den Zauberkreis seiner Unterhaltung bannte, war trotzdieser ungewöhnlichen Gaben gegen allen geselligen Verkehr außerhalbseiner Wohnung abgeschlossen; er war ein Einsiedler in seiner stillenZelle. Die Wege zur Schule abgerechnet, sah man ihn fast nie ansder Straße; er ging nie spazieren, und Besuche machte er nur beiseinen nächsten Verwandten. In seinem Hanse empfing er Jeden mitder größten Liebenswürdigkeit und fesselte seine Gäste oft bis in diespätesten Nachtstunden. Wie er es bei dieser Zugänglichkeit ermöglichthat, für die Bewältigung der ungeheuren Arbeitslast, die er sich auf-gebürdet, Zeit zu gewinnen, ist mir stets räthselhaft gewesen. MitRecht konnte daher Giesebrecht einmal schreiben! „Ich denke, es istunter meinen Kollegen keiner, der mehr für die Schule arbeitet, alsich, es sei denn Calo. Wer ist aber auch wie der?" Zu dieser über-mäßigen Anstrengung schien aber auch nur sein eiserner Körper ge-schaffen. Ermüdung schienen seine Nerven nicht zu kennen, auch derEinfluß der Witterung schien für ihn nicht vorhanden. Nur den Sonntag
hielt er sich von Arbeit frei Ueber seine Schüler übte er
magische Gewalt aus. Er erzog sie mehr durch Anerkennung als durchTadel und Strafen. Sein Unterricht war überaus anregend, wennauch mehr blitzartig und fuukensprühend, als stät und ruhig beleuchtend.Sein Wissen war von wunderbarer Ausdehnung. Er beherrschte alteund neue Sprachen, des Occidents wie des Orients; in der Literaturwar er überall heimisch. Theologie und Philosophie waren ihm wohl-bekannte Gebiete; sehr genaue Kenntniß hatte er in der Geschichte,in der politischen wie in der Kunst- und Kulturgeschichte. Die An-sprüche, die er an das Leben machte, waren so äußerst gering, daßer dadurch wie ein Sonderling erschien. Er begnügte sich langeZeiten hindurch mit der allereiufachsten, meist nur vegetabilischenNahrung; er war nicht nur mäßig, sondern geradezu Asket. SeineEinnahmen verwandte er zum weitaus größten Theile auf Anschaffungvon Büchern, Kupferstichen und Musikalien, von denen er sich all-mählich sehr werthvollc Sammlungen erworben hatte. Er übte eineausgedehnte verschwiegene Wohlthätigkeit, nahm nie Honorar für dievielen Privatstunden, die er ertheilte, ja er schenkte seinen Schülern oftdie dazu nöthigen Bücher.