irrt von den Versuchungen, denen treulose Staatsdiener damals nurzu ost unterlagen, ging er den Weg der Pflicht, des Rechtes, einleuchtendes Vorbild dem weiten Kreise seiner Freunde, die sich indieser harten Prüfungszeit um ihn schaarten.
„Kinder, der alte Gott lebt noch!" Das mar sein Ausspruch,womit er die Verzweifelten tröstete, die Muthlosen aufrichtete.
Mittel zu schaffen, die Roth seiner Familie zu lindern, thatmein Vater zuvörderst Schritte zur Erlangung einer Unterstützung ausder Kalau'schen Familienstiftuug, die, seiner Berechnung nach, jahre-lang unbenutzt, sich ansehnlich vermehrt haben mußte.
Und seine Bemühungen waren erfolgreich, sechshundert Thalerin baarem Gelde wurden ihm, dem vollständig Mittellosen, auf einmalausgezahlt. Damit hatte dann die Roth ein Ende, und als dannspäter von Schlochau aus der Ruf an ihn erging, das Amt einesJustizamtmanns, das sein Vater bisher verwaltet hatte, zu übernehmen,da griff er froh zum Wanderstabe und verließ, belebt von den schönstenHoffnungen für seine Familie, für sein Vaterland, einen Ort, an demer Schicksalswechsel erlebt hatte, wie selten Einer. Und seine Hoff-nungen erfüllten sich! Sein neues Amt führte ihn in die behag-lichsten Verhältnisse, und sein geknechtetes Vaterland begann an demJoch zu rütteln, dem es fast erlag. In diese Zeit, wo Alt und Jung zuden Fahnen eilte, die Zurückbleibenden aber sich durch den sich bildendenLandsturm sichern mußten, fällt die Episode der kriegerischen Wirk-samkeit meines Vaters. Die Bürger Schlochaus errangen für ihn dieWürde eines Landsturmmajors, deren er, der nie Militär gewesen,stets mit einer gewissen Heiterkeit gedachte. Die Trophäen jener Zeitaber, seinen Federhut, seinen Degen, hielt er sehr in Ehren.
Nach dem Frieden des Befreiungskrieges betraute man meinenVater mit der Gerichts-Dircktor-Stelle in Straßburg in Westprcußen,nahe der polnischen Grenze. Er war die geeignete Persönlichkeit insolcher Stellung, die Würde seines Amtes zu wahren, versöhnendzwischen den polnischen und preußischen Elementen zu wirken, Rechtund Unrecht abzuwägen; denn tolerant, von feiner Menschenkenntnis;,von umfassender Bildung, die er in der Unterhaltung in anregendsterWeise zu verwerthen wußte, besaß er auch eine persönliche Liebens-