— 296
als nun dieser bei der Befreiung des Grafen seinerseits gefangengenommen wurde, bot ihm Graf Karl als Erwiderung freund-lichst eine Cigarre an und sorgte auf's Beste und Edelmüthig-ste für die gefangenen kaiserlichen Officiere. Nach der Er-stürmung Ofens verbreitete man das Gerücht, Graf Karl hätte17 österreichische Officiere, die er gefangen, niederschiesserilassen, und benützte man diese Verläumdung später in nieder-trächtigster Weise als Hauptmoment bei seiner Veruitheilung.Seine Gattin verwahrte sich sowohl dem dies ebenfalls be-hauptenden General Haynau gegenüber, da dieses bei ihresGatten edlem Charakter ganz unmöglich sei, als auch erbotensich 2 Barone Sterneck, dass man sich auf sie berufen solle,da sie nachweisen könnten, dass genanntes Gerücht die gröbsteUnwahrheit sei. Seitdem hat es sich längst klar erwiesen,dass jene 17 auf des Grafen Befehl erschossenen Opfer: —verwundete Pferde waren, welche er aus Mitleid durch seineLeute niederschiessen liess. Als man nach der Schlacht vonKomorn von Verrath Görgey's sprach, bestritt dies Graf Karl,der ein unerschütterlicher Anhänger Görgey's war, energischund noch in seinen letzten Stunden verwies er eine solche Ver-dächtigung seinem Schwager Leopold von Rohonczy, „wenndieser ihn nicht noch die letzten Momente mit dieser Behauptungkränken wolle".
Nach der Schlacht von Waitzen hatte Graf Karl mitseinem Corps den Rückzug zu decken und tliat dies so vor-trefflich, dass Paskcwitsch, der Führer der Russen, sagte: „Erglaubte es mit der ganzen Armee Görgey's zu tliun gehabt zuhaben; hätte er geahnt, nur einem Armee-Corps gegenüber zustehen, hätte er es vernichten können."
Als die Ungarn 13. Aug. 1849 bei Vilägos vor den Russendie Waffen streckten, gerieth auch Graf Karl mit in Gefangen-schaft. Der russische General Rüdiger zeichnete ihn sehr aus;bei einem von diesem gegebenen Diner, zu dem auch der Graf