rethe Gräfin zu Wied. Geboren 30. Juli 1536, vermählte siesich 1561 und starb 9. Aug. 1597 zu Westerburg an einer Pest-seuche. Sie war sparsam und gewissenhaft, führte nach demTode ihres Gemahls mit Graf Albrecht zu Nassau-Weilburgeine „nicht genug zu rühmende" Vormundschaft 1 ) und bezahlteinnerhalb derselben binnen 9 Jahren trotz der damals geringenRevenüen über 14000 fl. Schulden.
Noch bei Lebzeiten liess.sie sich neben ihrem Gemahlein Grabmonument errichten, das noch heute zu sehen ist undfolgende Inschrift trägt: „Ottilie, ex familia Comitü" in Manter-scheit-Blankenburg 2 ), uxor Reinhardi Comitis in Leiningendomini in Westerburg et Schawenburg, obiit" 3 ).
Gräfin Ottilie war es, die das schon oben (unter GrafKuno II., No. 439) errichtete Salbuch bis zu ihrem Tode 1597fortführte (nach ihrem Hinscheiden folgen noch spätere Ein-tragungen bis 1619); ausser dem Verzeichniss dessen, was siean Schulden abgezahlt hat, und einiger sonstiger Bemerkungenfindet sieh in diesem Salbuch eine ihren vortrefflichen Characterhell beleuchtende Eintragung, die zu ihrem Gedächtniss hierPlatz finden möge:
„Christliche vnd sehr nützliche Vermanungh der Wol-gebornen Gräfin Ottilien zu Leiningen-Westerburg, gebornerGrävin von Manderscheidt Unserer Gn. frawen an Ihre LieheKinder:
Meine Lieben Kinder, ich werde mit der Zeitt, wie dielieben Vorfährenn den Weg allen fleisches gehen, vndt zu denAuserwehlten versamblet werden, vndt also inn friede dahinnfahren, vndt mit anderenn Kindtern Gottes seligklich ein-
'] Knocli's Lein.-tVesterb. Chronik I. S. 120.
' 2 ) Irrthümlich für Blankenheim.
3 ) Da das Denkmal bei ihren Lebzeiten schon errichtet wurde, vergass mauuachher die Ausfüllung des Todesdatums.