Hg Die Firma K. F. Kochler in Leipzig. II. 5350—53-2.
bis ^.uZust denn ich kann hinsichtlich meiner litcrarischen Kenntnisse keineFartschritte machen.
Nun noch einiges über meinen Plan, denn wiewohl Du durch die anden Vater gerichteten Schreiben darüber unterrichtet sein wirst, so ver-anlaßt mich doch Dein Brief noch manches darüber zu sagen.
Daß ich die Sache ganz ruhig überlegt und überrechnet habe kannstDu versichert sein, denn über Jahr und Tag beschäftige ich mich damit,über den Zustand der vereinigten Staaten Erkundigungen einzuziehen.Ich habe nebst mehreren andern Werken Gaspari's Handbuch der Geo-graphie über die vereinigten Staaten durchlesen, (es ist d. Bandder vollständigen Erdbeschreibung) und besonders in diesem letzten Werkewelches nebst vielen andern Sachen eine deutliche Uebersicht der dortigenliterarischen Verhältnisse giebt, viel mir nützliches gefunden. Deiner Uleinungnach stünde die deutsche Sprache in Gefahr gänzlich verdrängt zu werden,nach diesen Werken sind die dortigen Deutschen sehr bemühet ihren Kin-dern ihre Sprache zu erhalten und allein in pensylvanien, welche Provinzich vorzüglich zu meinem Wirkungskreis ausersehen habe, bestehen über250 deutsche Elementarschulen und in Philadelphia, einer Stadt, welchenach den neuesten Nachrichten 550000 Einw. enthält und darunter über50000 Deutsche, bestehet neben mehreren andern deutschen Schulen eindeutsches Gymnasium. Philadelphia ist der Grt wo ich meine Nieder-lassung beabsichtige. Hier sind Generalsynoden der deutsch lutherisch undreformirten Geistlichen, die unmittelbar Einfluß aus das deutsche dortigeSchulwesen ausüben, durch Bekanntwerdung mit diesen Männern, welcheich zu allererst suchen würde, wird es mir gelingen eine Uebersicht überden Bedarf nach deutscher Literatur zu erlangen, und da sie es nur fürihre eigene Sache, hinsichtlich der Verbreitung der deutschen Sprache, gutund nützlich finden können wenn eine deutsche Buchhandlung bey ihnenexistirt, die ihnen alle Erzeugnisse unserer Literatur zuführt, so werde ichmich gewiß der Unterstützung dieser Herren zu erfreuen haben. Haupt-sächlich aber rechne besonders auf die englischen Gymnasien und hohenSchulen die sich schon längere Zeit unserer philologischen Literatur be-dienen, sowie auch unserer in lateinischer Sprache geschriebenen theologischenWerke. Du glaubst, daß wenn Bedürfnisse nach deutscher Literatur indiesem Lande vorhanden wären, die speculativen Engländer es hinreichenddamit versorgen würden. Du irrst Dich hierin, denn die Americanerziehen es vor ihre Sachen direct zu beziehen und es giebt selbst dortHandlungen, welche z. B. mit Tunolmit^ in Verbindung stehen. Diemeisten Geschäfte dahin inachen Dsrtbss & B, welche mehrere dortigeLollsAss (hohe Schulen) jedes Zahr regelmäßig mit Büchern versehen.Was den Wohlstand der dortigen Deutschen betrifft, so scheinst Du eben-falls in Zrrthum zu sein, denn du folgerst daraus, daß es ihnen nichtmöglich gewesen ist 2 Seminarien zu gründen, daß der Grund hiervonin ihrer dürftigen Lage zu suchen sei. Die beiden dortigen Geistlichenwelche für diese Anstalten bei uns einsammelten, habe ich gesprochen undzwar nebst mehreren anderen Sachen auch über diese. Sie äußerten sichhierüber aus folgende Art: Bei dem Mangel an Geistlichen auf dein Lande,(mancher Geistliche hat so viel pfarrerein oder Dörfer daß er fortwährendauf Neisen sein muß um in jedem Grte wöchentlich wenigstens einmal zu