Dr. Carl Christian Nichter.
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zählt. In dem betreffenden Buch wird gesagt, er hätte eine geradezu erstaunlicheGeschicklichkeit besessen, das was andern Menschen gehörte, so an sich zu bringenund zu benutzen, als ob es sein eigen wäre; ohne selbst etwas zu besitzen, hater es fertig gebracht, mehr als eine Million zu verschleudern. Schon inseiner Jugend, als er noch die Färstenschule in Meißen besuchte, hatte ereinmal 2000 Thaler, welche er in der Lotterie gewonnen hatte, innerhalbder 14 Tage währenden Ferien durchgebracht. Später wurde er Doktorder Rechtsgelehrsamkeit in Wittenberg, hat aber nie praktischen Gebrauchvon dieser Wissenschaft gemacht, dagegen war der Umfang seiner Kenntnisseim Fache der Kunst, welches er in Dresden besonders studirt hatte, be-deutend, was für ihn wohl auch die Veranlassung war, sich auf das Kupfer-stichsammeln zu legen; sture Sammlung soll eine der schönsten und voll-ständigsten, welche damals überhaupt existirten, gewesen sein. Natürlichbrauchte er zum Bezahlen der Stiche sowie für seine sonstigen höchst kost-spieligen Leidenschaften sehr viel Geld, was er aber nicht besaß. Er legtesich infolge dessen immer mehr und mehr auf das Borgen und es gelang ihmauch sich nach und nach bei dem Kammerrath Richter, dem Besitzer einesder ersten Handelshäuser Leipzigs, derart einzuschmeicheln, daß dieserschrankenloses Vertrauen zu ihm hegte und ihm unbegrenzten Credit ge-währte. Diese Vertrauensseligkeit brachte denselben aber in derartige Ver-legenheiten, daß er schließlich sein ganzes Vermögen, welches auf eine halbeMillion taxirt wurde, einbüßte. Es würde zu weit führen, auf diese ganzegeradezu romanhafte Angelegenheit hier näher einzugehen, nur soviel seinoch gesagt, daß es dem späteren Dresdner Buchhändler Richter gelang,aus dem alten Kannnerrath Richter in Leipzig, als derselbe schon ziemlichfertig war, noch 28,000 Thaler heraus zu Pressen, wofür er sich die Breit-kopf'sche Buchhandlung in Dresden kaufte. Anfangs ging auch das Ge-schäft ganz gut, da aber Richter von seinem kostspieligen Lebenswandel nichtlassen konnte, ging es sehr schnell rückwärts, trotzdem es ihm wiederumgelungen war einen Graf Rüdiger und einen gewissen Banquier Ochs umrecht anständige Summen zu beschwindeln. Er kam dabei zum so und sovielhundertsten Mal in Wechselhaft und da er aus derselben entfliehen wollte, wurdeer auf das Rathhaus in Leipzig in festen Wcchselarrcst gebracht, woselbster verstarb. Ueber seine Hinterlassenschaft wurde der Concurs eröffnet,Geschäft und Privilegium gelangte in die Hände eines Hauptgläubigers,