Vir
209
Stephan Müller, Mylius oder Molitor, geb. um 1490. Er war von
1521 ab erster lutherischer Geistlicher und Superintendent des Kirchensprengelsder Abtei Gernrode im Herzogthum Anhalt und lebte noch im Jahre 1565.Von ihm wird manches Merkwürdige erzählt in Magister Andreas Hoppen-rod's Gernroder Annalen, Avelche in Meibom's »Deutsche Geschichte«Theil II Seite 417—465 aufgenommen sind. Meibom sagt S. 449: »Espredigtezu jener Zeit (etwa 1529) das Evangelium der ehrenwerthe StephanusMylius. Er lehrte, däs's die Ehe allen Menschen, den Laien und denGeistlichen, freigestellt und erlaubt sei, wie Paulus sagt l.Timoth. 4, dassdie Beschränkung der Ehe und der Speisen Teufelslehre sei. Daher nahmer, um Andern durch sein Leben und Beispiel voranzugehen eine Frau,Agnes, welche ihm drei Söhne und ebenso viele Töchter gebar. Seinem Bei-spiele folgten die Pfründner des Gernroder Kapitels: Wolfg. Goltschmidund Nicol Moller«.
Zur Aebtissin XXI des Gernroder Kapitels wählte dieser Steph.Mylius, als damaliger Superintendent und Vorgesetzter der übrigenGernroder Geistlichen, die Burggräfin Anna aus dem Plauen'sehenHaus, eine Tochter Heinrichs, Burggrafen von Meissen und Grafen vonHartenstein u. s. w. zugleich mit den übrigen Kapitelsherrn vonGernrode (siehe ebendaselbst S. 451). Um das Jahr 1533 predigte HerrMatthias, Geistlicher des Gernroder Kapitels, abwechselnd mit dem hoch-würdigen Herrn Stephanus Molitor (oder Mylius) im GernroderSprengel das Evangelium und verwaltete die Sacramente nach der wahrenLehre Christi (siehe ebendaselbst S. 452). Anna von Plauen, die obengenannte Aebtissin des Gernroder Kapitels, reformirte später die ihrunterstehenden Kirchen nach der sächsischen Kirchen Ordnung, welche sieaus Luthers Lehre kannte und trat im Jahre 1545 öffentlich zur luthe-rischen Kirche über. — Zu derselben Zeit wurde eine sehr bedenklicheKirchenvisitation abgehalten, indem der Kaiser und die Reichsfürsten aufAnstiften des Papstes über die Evangelischen wegen des Religionswechsels
sehr erzürnt waren, und in
Folge
A
l
dessen in verschiedenen Territorien
des Reichs neue Decrete gegen die Protestanten erlassen wurden.Zu Visitatoren wurden ernannt:
Stephan Mylius, Superintendent,
Simon Gruning, Pastor zu St. Stephan.
Diesen wurden beigegeben:
Lic. Melchior Crüger, Präfect (Präsident),
Andr. Reut.be, Kanzler (siehe ebendaselbst S. 453).
Im Jahre 1548 am Mittwoch nach Judica wählte StephanMylius mit den andern obengenannten (siehe ebendas. S. 455) Kapitelherrendes Gernroder Sprengeis zur Aebtissin XXII des Gernroder Kapitels Anna
Geschichte der Familien Mylius.
14
...