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Geschichte der Familien Mylius : Genealog. - biogr. Familienchronik der Mylius aller Zeiten u. Länder
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dem dortigen wissenschaftlichen Institut eine Lehrstelle und Prämienver-theilung für die ganz in Verfall gekommene Freskomalerei und in Sestodi Monza, wo sich eins seiner Landhäuser befand, eine Anstalt zur Auf-nahme hülfsbedürftigei "Wöchnerinnen. In Mailand stiftete er eine Klein-kinderschule, ebenso in seiner Vaterstadt eine Kleinkinderbewahranstalt, die»Myliusschule«. Beiehe Geldspenden erhielten auch das Versorgungshaus inFrankfurt, die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft, deren »ewigesMitglied« er seit 1844 ist, und die niederländische Gemeinde in Frankfurt a. M.Ihm hat Frankfurt u. A. auch die herrliehe Göthestatue zu verdanken,die, von dem bekannten Mailänder Künstler Pumpeo Marchesi ausgeführt,seit 1840 eine Zierde der Frankfurter.Stadtbibliothek ist. Zu seinem ehren-den Andenken wurden von seiner dankbaren Vaterstadt und von derStadt Mailand zwei broncene Denkmünzen 1845 und 1854 geprägt. Hein-rich Mylius war der regste Freund der Wissenschaft und Kunst. Dieganze Glanzperiode der deutschen Litteratur verfolgte er mit lebhaftesterTheilnahme, mit Göthe und mit dem grossen Beschützer der deutschenDichtkunst, Carl August von Weimar, stand er in freundlichster Be-ziehung. Unter seine vertrautesten Freunde rechnete er den Stifter desvortrefflichen Mailänder numismatischen Cabinets, G. Cattaueo; mit demgrossen Thorwaldsen stand er in innigstem Verkehr; Oriani der Astronomund der Dichter Viucenzo Monti waren seine Hausfreunde und regelmäs-sigen Besucher, wenn sie gleichzeitig mit ihm sich in Sesto des Landle-bens erfreuten. Der in Sachsen unvergessliche Staatsminister Bernhardvon Lindenau schätzte ihn hoch und verweilte mehrmals bei ihm in Loveno.

Was den anspruchslosen Charakter des Mannes anlangt, so warHerders Gedanke der Nemesis: »Maass in allen Dingen; unausbleiblicheStrafe dem tJebermuthe!« die innerste Empfindung seiner Seele. Einst, alssein einziger Sohn aus dem Dampfboot in den Comersee stürzte undvor seinen Augen zu ertrinken drohte, glaubte er sich dem Gefühle desGlückes in dem Besitz dieses Sohnes zu heftig überlassen zu haben. Später,nach dessem Tode, bestellte er bei Thorwaldsen die Darstellung der Ne-mesis nach Herders Gedanken, und dieses schöne Kunstwerk steht nochjetzt zu Loveno auf dem Grabe des Sohnes.

Die letzte Zeit des Lebens erblindete der edle Greis beinahe gänz-lich, voll schmerzlichen Bedauerns, auf seine langgewohnte Thätigkeit all-mälig verzichten zu müssen. Doch blieb er dabei im vollen Genüsse seinergeistigen Kraft. Durch gemeinsame Freunde mit Felix Mendelssohn-Bar tholdy verbunden und ernste Musik liebend, fühlte er am 17. April1854 einen unwiderstehlichen Trieb, der Aufführung des »Paulus« beizu-wohnen. Mit Entzücken und Spannung folgte er jedem Tone und sprachzu dem »Ich rufe Dich!« sein gläubiges »Amen«! Vier Tage darauf, am21. April 1854, verschied er undwurde in der Familiengruft zu Lovenobeigesetzt. Marmorbüsten von ihm finden sich in den Landsitzen derFamilie zu Blevio und Loveno a. Comersee, eine galvanoplastische Bronce-hüste im dem Saale des Frankfurter Bürgervereins, Gipsbüsten in derStadtbibliothek, im Senckenberg' sehen Institut, in der Myliusschuleu. s. w. Zu seinem bleibenden Gedächtniss wurde am 19. August 1873